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Johann Sebastian Bach

Acht Sonaten für Geige und Cembalo (bzw. Basso continuo)

Benjamin Schmid, Anthony Spiri, Sebastian Hess

Arte Nova/BMG 74321 75502 2
(111 Min., 02/2000) 2 CDs

Vor zwanzig Jahren waren es noch die drittklassigen Geiger, deren Bach man nach Hause trug, wenn man für eine Platte nicht viel Geld übrig hatte. Heute ist das anders. Man wird im Hochpreis-Regal keinen besseren Bach finden als den preisgünstigen von Benjamin Schmid - und zwar die jüngst veröffentlichten Solo-Sonaten und -Partiten ebenso wie diese neue Aufnahme der sechs Sonaten mit Cembalo, angereichert noch durch zwei frühe Triosonaten, Violine und Basso continuo, aus Bachs Köthener und Weimarer Zeit.
Die von dem "Historizisten" Nikolaus Harnoncourt inspirierte, ganz lebendiger Text-Akribie verpflichtete Lesart Schmids und Spiris überzeugte auch, wenn ganz andere Namen da stünden und der Preis höher wäre. Schmid, der Wiener Anfang dreißig, spart an Vibrato, lässt es aber auch nicht missen. Die Klangfarben-Palette ist groß, der Klang mischt sich gut mit dem "authentischen" Cembalo, der Atem geht natürlich, Phrasen werden sorgfältig gedrechselt. Sogar die Nähe zum "empfindsamen Stil" der Bach-Söhne kitzelt das Duo heraus, indem es agogisch mitunter ziemlich frei agiert - verlangsamt oder beschleunigt, ohne dass romantisches Aufweichen des Notentextes damit einherginge.
Und die beiden frühen Sonaten, das Cembalo-Continuo unaufdringlich ergänzt durch den Cellisten Sebastian Hess, sind ohnehin Repertoire-Trouvaillen; sie sprechen nur eine zusätzliche Empfehlung aus, gerade diese Aufnahme zu kaufen.

Thomas Rübenacker, 01.12.1999



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