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Kind Of Porgy and Bess

Paolo Fresu

RCA/Sony BMG 74321 95195-2
(62 Min., 5/2002) 1 CD

Jazz-Bearbeitungen der Gershwin-Oper "Porgy and Bess" haben außer den Tandems Miles Davis und Gil Evans sowie Ella Fitzgerald und Louis Armstrong vor allem Stars wie Oscar Peterson oder Phil Woods gewagt. Die setzten Maßstäbe. Insofern ist zu verstehen, dass sich der italienische Trompeter mit "Kind of Porgy and Bess" vorsichtig gibt: Das Wortspiel mit dem Titel einer anderen Platte von Miles Davis, "Kind of Blue", weckt einerseits Assoziationen und kann andererseits als Ausrede dienen. Es ist nicht einfach, die Songs durch einen roten Faden zu verbinden und andererseits für so viel Abwechslung zu sorgen, dass eine einstündige CD nicht langweilig wird. Der spitze und doch verträumte Klang von Paolo Fresus Trompete erinnert an die Intonation von Miles Davis, und manche Wendungen in der Melodieführung scheinen von ihm beeinflusst.
Andererseits gibt es kein Vorbild für Nguyên Lês metallisch harte Gitarre oder die Idee, gelegentlich durch Dhafer Youssefs Stimme, orientalisches Flair ins Geschehen zu bringen. Dabei überwiegt stellenweise der Drang nach Originalität gegenüber einer tatsächlichen Fortentwicklung der Songs oder einer auf die Funktion innerhalb der Oper bezogenen Neu-Interpretation ihres Inhalts. Im Gegenteil: Paolo Fresu phrasiert seine Soli oft so, als kenne er deren Texte nicht. Vielleicht liegt es gerade daran, dass im kleinen Trioformat oder in der vollen Sextettbesetzung - Antonello Salis, Furio Di Castri und Roberto Gatto spielen Keyboards, Bass und Schlagzeug - ungewöhnliche Fassungen von 13 Songs entstehen, in denen die Band die Melodien eher abstrakt auffasst.

Werner Stiefele, 08.02.2003



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