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Johann Sebastian Bach

Orchestertranskriptionen

Los Angeles Philharmonic, Esa-Pekka Salonen

Sony SK 89012
(67 Min.) 1 CD

Mit einem leichten Schmunzeln wird sich Esa-Pekka Salonen über die Mottenkiste der Bach-Bearbeitungen für großes Orchester gebeugt haben. Echte Bach-Verehrer verziehen beim Namen Stokowski das Gesicht, als hätten sie eine Flasche Essig an die Lippen gesetzt. Es braucht einigen Humor, den Weihrauchschwaden des Bach-Jahres die Lust am prallen Orchesterklang entgegenzublasen, der aus dieser wirklich vergnüglichen Hommage aus Hollywood spricht. Der alte Exzentriker Stokowski hätte seine Freude gehabt, wie genussvoll verbreiternd Salonen in der Transkription der d-Moll-Toccata die Instrumentationseffekte ausspielt – er überbietet übermütig Stokowskis eigene Lesart und streift das Parodistische. Das ist Hollywood satt und soll’s sein.
Zur Abkühlung bekommen wir Weberns berühmte „durchbrochen“ instrumentierte Fuge aus dem „musikalischen Opfer“, eher strenges Experiment denn Vorführstück. Das für mich schönste Arrangement aber ist jenes der großen c-Moll-Fuge von Edward Elgar. Die schlichte Instrumentierung verrät die scheue Ehrfurcht des Briten vor der Vorlage, mit den wunderschön dialogisierenden Stimmen der Holzbläser in der Fantasia aber wächst der Komposition eine Fassette der Innigkeit und Wärme zu, die auf der Orgel nicht zu verwirklichen wäre.
Das Orchester von L.A. beweist seine überragende Form in solch sensibel-kammermusikalischer Feinarbeit ebenso wie im Breitwandsound. Die Bearbeitung bachscher Musik wird nicht jedermann gefallen. Doch diese originelle Produktion belegt in jedem Grade der Verfremdung die Kraft der unzerstörbaren Substanz seiner Erfindungen.

Matthias Kornemann, 01.12.1999



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