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Valentin Silvestrov

Bagatellen und Serenaden

Valentin Silvestrov, Alexej Lubimov, Münchener Kammerorchester, Christoph Poppen

ECM/Universal 1988
(75 Min., 2/2007) 1 CD

Hier spielt der Schöpfer selbst. Valentin Silvestrov hat sich anlässlich der Aufnahme, die ihn nun zu seinem 70. Geburtstag würdigt, selbst an den Flügel gesetzt, um als Interpret des zuvor Erdachten gleichsam mit klingenden Bildern in der Hand jene Welt zu durchwandern, die immer noch wie abgeschottet wirkt, wie separiert von der normativen Wahrnehmung: Sehnsuchtswelt, Ideenwelt, aber auch: verlorene Welt. 2005 entstanden die 14 Bagatellen, die zwar dem Titel nach auf Beethoven rekurrieren, doch beileibe nicht dessen sprühende Energie aufweisen: Idiomatisch liegen Lichtjahre zwischen diesen beiden Komponisten. Das redundante Material, das Silvestrov für seine tagträumerische Wanderung benutzt (bei der ihn nur diejenigen begleiten können, sie sich auf diesen Pfaden wohlfühlen), kennen wir aus zahlreichen seiner früheren Werke; ebenso die Selbstbezüglichkeit dieser Ästhetik der Kristallisation. Doch scheint ein neues Leuchten in dieser Musik, eine (für seine Verhältnisse) auffällige Ausgiebigkeit des Melos, die sich Silvestrov zuvor nicht gestattet hatte. Ein Eindruck, der sich in den Werken dieser Aufnahme für Streichorchester verdichtet, nicht nur wegen der Reverenz an die romantischen Vorbilder Schubert und Wagner. Ein lichter Ton herrscht hier vor, der sich sogar erlaubt, ganz leicht das Tanzbein zu bewegen. Das von Christoph Poppen behutsam dirigierte Münchener Kammerorchester trifft diesen nachgerade schwärmerischen Duktus – auch im Zusammenspiel mit dem Pianisten Alexei Lubimov, der in den Werken "Der Bote" und "Zwei Dialoge mit Nachwort" der Solist ist – auf den Punkt; es wird dezent, dabei akzentuiert musiziert und dazu mit einer Schwerelosigkeit, die Silvestrovs Musik so dringend benötigt, damit sie atmen kann. Der Schöpfer selbst wird sehr zufrieden sein damit.

Jürgen Otten, 07.12.2007



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