Responsive image
Jean-Philippe Rameau

Ouvertüren

Les Talens Lyriques, Christophe Rousset

Decca 455 293-2
(69 Min.) 1 CD

Das erst vor wenigen Jahren von dem Cembalisten Christophe Rousset gegründete Barock-Orchester Les Talens Lyriques (nach einer Oper von Rameau) hat sich in kurzer Zeit zu einem der führenden Ensembles Frankreichs für das Opern-Repertoire des 17. und 18. Jahrhunderts entwickelt: Nach seinen aufsehenerregenden Schallplattenpremieren von Bühnenwerken von Händel (“Riccardo primo”) und Mondonville (“Les Fêtes de Paphos”) hat das vierunddreißigköpfige Ensemble nun den (fast) kompletten Bestand von Opernouvertüren des noch immer unterschätzten französischen Bach-Zeitgenossen Jean-Philippe Rameau auf einer CD verewigt.
Meine anfängliche Skepsis ob eines solchen auf Breitenwirkung schielenden Ouvertüren-Sammelalbums weicht bereits nach wenigen Takten des ersten Tracks - der wunderbar nervigen Einleitungsmusik zum Opéra-Ballett “Les Fêtes de Polymnie” - der freudvollen Gewissheit, es mit einem der ungewöhnlichsten und faszinierendsten Barockprogramme der letzten Jahre zu tun zu haben: einem aufwendig zubereiteten musikalischen Festmahl der besonderen Art, das uns ein französisches Drei-Sterne-Menü in exquisiten Mini-Portionen anbietet und uns auch die reiche musikalische Fantasie und Originalität dieses großen Bühnenkomponisten auf sehr angenehme Weise näherbringt. Das ist Ohrenkino der besonderen Art, eine Traumreise zurück in das End-Zeitalter des Ancien régime, und so atemberaubend perfekt, stilsicher und lebendig-authentisch dargeboten, dass man in jedem Zimmer dieser spannenden Schlossbesichtigung gerne länger verweilen möchte, um die wunderbaren Details dieses hochwertigen Kunsthandwerks noch intensiver genießen zu können. Rameau ist eben eine Klasse für sich.

Attila Csampai, 30.04.1997



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Am seidenen Faden: Das hatte sich die kretische Königstochter sicher anders vorgestellt. Der schneidige Athener Prinz Theseus, mit dem sie von Zuhause ausgebüchst war, lässt sie auf der erstbesten der zahlreichen griechischen Inseln schlafend am Strand liegen und sticht in See. Dabei hatte sie ihm das Eheversprechen abgeluchst, bevor sie ihm im Gegenzug aus dem Labyrinth des Minotaurus heraushalf – mithilfe eines einfachen Fadens, den dieser beim Gang ins Innere abspulte und beim Weg zum […] mehr »


Top