Responsive image
Jean-Philippe Rameau

Hippolyte et Aricie

Mark Padmore, Anna Maria Panzarella u.a., Les Arts Florissants, William Christie

Erato/Warner Classics 0630-15517-2
(1995) 3 CDs

Jean-Philippe Rameau (1683-1764), schreibt der Dirigent William Christie im Beiheft, sei für ihn vor allem eines: der revolutionärste Komponist zwischen Machaut (1300-1377) und Debussy (1862-1918). Da Christie die von späteren Zugeständnissen an den Zeitgeschmack befreite Urfassung der Oper „Hippolytos und Aricia“ von 1733 (als Ersteinspielung!) zur Grundlage seiner Interpretation macht, kann man dieses Urteil tatsächlich nachempfinden: Da entfaltet die rhythmische Kraft der Tänze einen Sog, tritt das Orchester als wissender und kommentierender Partner des Bühnengeschehens in vitale Aktion, und sowohl bei der oft ungewöhnlichen Instrumentation als auch bei den formalen und harmonischen Freiheiten der Partitur gibt sich Rameau als genialer Wegbereiter der kompositorischen Zukunft zu erkennen.
William Christies Hingabe spricht aus jeder Geste des exzellent disponierten Orchesters, ganz besonders aus den fast arios auskomponierten farbigen Accompagnati. Diese Liebesbeziehung zum Stück übertrug sich hörbar auch auf die Sänger: Stimmlich überzeugen dabei zuallererst der leicht und unverbraucht wirkende Mark Padmore als Hippolyte und – mit Abstrichen bei einigen zu scharf geratenen Höhen-Phrasen – Anna-Maria Panzarella als Aricie. Lorraine Hunt gibt eine voluminöse, ausdrucksstarke Phèdre, Laurent Naouri einen soliden Thésée.
Sie alle sind daran „schuld“, wenn Rameaus Werk hier so frisch und jung erklingt, als habe sich der Staub, den es seinerzeit beim konservativen Publikum aufgewirbelt hat, auch in gut zweieinhalb Jahrhunderten nicht wieder abgesetzt.

Susanne Benda, 28.02.1997



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Es liegt etwas Flirrendes, Sommerliches, ungemein Modernes in der französischen Musik zwischen 1900 und dem Erstem Weltkrieg, ein Aufbruch, der erst recht vollzogen werden konnte, als sich ein paar Komponisten gegen die Übermacht der Tonsprache Richard Wagners zu stemmen begannen. Doch was könnte man einer so perfekt ausgearbeiteten, fließenden Romantik entgegenstellen? Diese Frage führte Claude Debussy und Maurice Ravel dazu, sich im spielerischen Umgang mit der Vergangenheit neue […] mehr »


Top