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Jean-Philippe Rameau

Les Boréades

Barbara Bonney, Paul Agnew, Laurent Naouri u.a., La La La Human Steps, Les Arts Florissants, William Christie

Opus Arte/Naxos OA 0899 D
(218 Min., 4/2003) 2 DVDs, LPCM-Stereo, PAL 16:9

Es ist dieses barocke Weltmusiktheater, wie es die Konvention will: Erst Apollo kann Borée, den Gott der Nordwinde stoppen, der die Königstochter Alphise aus machtstrategischen Gründen mit einem seiner beiden Söhne vermählen möchte. Und im Happy End liegen sich Alphise und Abaris, der Sohn Apollos, in den Armen - nach dem für die französische Tragédie lyrique typischen Maßstab aus Balletteinlagen, Rezitativen und Airs. 1763 komponierte Jean-Philippe Rameau seinen Fünfakter "Les Boréades". Der jedoch erst 1982 seine szenische Uraufführung erlebte. Seitdem hat es "Les Boréades" bis nach Salzburg geschafft (1999 unter Simon Rattle) und mittlerweile auch in die Pariser Opernhochburg Le Garnier. Dort zeigte der kanadische Regisseur Robert Carsen, wie man solche gezirkelt-aristokratischen Barock-Formate Anno 2003 doch noch auf die Spitze treiben kann. In eine schwarze, strenge Uniformität steckt er Bühne und den Borée-Clan, der die gouvernantenhaft gekleidete Alphise (Barbara Bonney) unablässig bedrängt. Während die Körper-Virtuosen der kanadischen Compagnie La La La Human Steps sich als akrobatische Puppen überbieten.
Aber mit Abaris (Paul Agnew) lichtet sich die Szenerie auf. Bis zum strahlend weißen Finale, in dem eine Flower-Power-Generation Blümchen pflanzt. Kein Wunder, dass das Regie-Team beim Premierenpublikum bei soviel asthmatischer Plakativität gnadenlos durchfiel. Und dass Dirigent William Christie in der ausführlichen Interview-Strecke mit allen Beteiligten, die den Live-Mitschnitt jetzt flankiert, von einer mutigen Inszenierung spricht, ist schwer nachvollziehbar. Christie kann jedoch immerhin den von ihm aufgestellten Rameau-Standard mit seinen Arts Florissants bestätigen, macht er in seiner Balance aus Emphase, Eleganz und Feingliedrigkeit immer wieder neue, faszinierende Energie- und Kraftfelder aus. Die Hauptrollen werden hingegen mit routinierter Verve bewältigt, wobei Barbara Bonney ihren lyrischen Sopran dafür eher aufpoliert hat, statt sich in facettenreiche Tiefendimensionen vorzuwagen.

Guido Fischer, 30.10.2004



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