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Maurice Ravel, Claude Debussy

Shéhérazade, Le Tombeau de Couperin, Danses u.a.

Anne Sofie von Otter, Alison Hagley, Cleveland Orchestra, Pierre Boulez

DG/Universal 471 614-2
(76 Min., 4/1999) 1 CD

Was für Welten! Da durchweht ein unaufhörlich sich zwischen Licht und Schatten bewegender Harmoniezauber Ravels Orchester-Poem "Shéhérazade", während mit hellem, luftigem Raffinement das 18. Jahrhundert in "Le Tombeau de Couperin" und im "Menuet antique" beschworen werden. Und sind Debussys "Danses" für Harfe und Orchester elegant ausgekleidete Walzer-Phantasmagorien, ist "Le jet d'eau" ein typisch impressionistisches Wellenbad der Farben. In diesen Werken wird man umschmeichelt und verwöhnt. Obwohl natürlich Pierre Boulez streng darauf achtet, dass hier nichts auf Sand gebaut wird. Jedes der Stücke, in denen Ravels Neo-Klassizimus genauso auszumachen ist wie Debussys vom Symbolismus geprägte Zauberkünste, hat festen Boden unter den Füssen. Die instrumentale Koloristik wird sorgfältig vom Cleveland Orchestra abgetönt, bei der musikalischen Syntax lassen sich ständige Neubelichtungen und damit die Form bestimmenden Entwicklungen und Energien bewundern.
Vom Repertoirewert her stehen diese hier zusammengestellten Kompositionen, die Lieder- und Orchesterzyklen von Ravel und Debussy natürlich nicht gerade für eine Pioniertat auf dem CD-Markt. Schließlich gehört gerade Ravels "Pavane pour une infante défunte" zu den Klassikern der klassischen Moderne. Doch wenn eben Pierre Boulez nicht nur als Dirigent das Erbe Debussys hochhält, er bei aller Nuanciertheit und der genauen Befolgung der dynamischen Feinabstufungen eine malerische Klangsprache entstehen lässt, finden sich plötzlich selbst in solchen Ohrwürmern ganz neue Ausdrucksintensitätsgrade. Besonders in Debussy "Trois Ballades", in denen Boulez mit der großartig verwandlungsfähigen Sopranistin Alison Hagley nicht nur auf jeden falschen Folklore-Zungenschlag verzichten kann, wenn Spanien am Horizont auftaucht. In der sanften Expressivität der ersten Ballade finden Boulez und Hagley plötzlich jene unauflösbare, resignative Tragik, die eine erstaunliche Nähe zu Gustav Mahler widerspiegelt.

Guido Fischer, 05.06.2004



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