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The World We Knew

Christopher Dell

ACT 9449-2
(57 Min., 5/2006) 1 CD

Die Amerikaner holen sich ihre Standards aus dem – wie es Ella Fitzgerald nannte – "Great American Songbook" der Broadwayshows und Musicals. Es hat lange gedauert, bis sich die Deutschen wagten, aus den Hits deutscher Komponisten Jazznummern zu formen. Doch seit Carsten Daerrs 2005 veröffentlichter Hommage an Ralph Siegel, "Germany 12 Points", scheint es leichter zu sein. Christopher Dell jedenfalls huldigt Bert Kaempfert, dem Meister des Easy Listening, wobei er dessen langjährigen Gitarristen Ladi Geisler einbezieht. Dell geht allerdings nicht zu weit wie Daerr; bei ihm bleiben die Themen von "Strangers In The Night", "Danke Schoen", "Spanish Eyes" oder "Geh nicht vorbei / I Can’t Help Remembering You" und "Love After Midnight / 90 Minuten nach Mitternacht" deutlicher zu erkennen. Das mag zum Teil an Ladi Geisler liegen, der in viele Stücke seinen auch bei Kaempfert unverwechselbaren, weichen Gitarrenklang einbringt. Entscheidender ist, dass Dells Band – in der Daerr Klavier spielt – unverblümter auf die Themen zustrebt und sie in den Improvisationsteilen weitaus weniger verfremdet. Daerr, der Bassist Oliver Potratz und der Schlagzeuger Eric Schäfer bilden eine weiträumig agierende Rhythmusgruppe. Sie schafft meist eine dezent swingende Basis, knüpft aber auch in "Geh nicht vorbei" an die drängenden Rhythmen à la Miles Davis‘ Album "Bitches Brew" an. Dell mengt sich in das in allen Titeln offene Spiel der Rhythmusgruppe mit perkussiven und melodienreichen Vibrafonsoli, und der Saxofonist Christof Lauer würzt einige Nummern mit farbenprächtigen, leicht überdrehten Soli. Dadurch schafft er einen wohltuenden Kontrast zum insgesamt gelassenen Grundcharakter der Produktion. Bert Kaempfert hätte sich über diese liebevollen Bearbeitungen sicher gefreut.

Werner Stiefele, 02.03.2007



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