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In Berlin

Leon Thomas

Bluebird/Sony BMG 090266 387724
(46 Min., 3/1974, 11/1974) 1 CD

Eine der ungewöhnlichsten Vokaltechniken des Jazz war Leon Thomas' Markenzeichen: ein schnelles Jodeln, das aber nicht alpin klang, sondern seine Inspiration durch Musik Afrikas ebensowenig verleugnete wie seine afrikanische Holzflöte. Er hat ebenso mit Louis Armstrong wie mit Carlos Santana zusammengearbeitet; doch im Grunde war der 1999 verstorbene Sänger Avantgardist, freilich einer, der für den "New Thing" sogar einen Hit landete: "The Creator Has A Master Plan - Peace", das 1969 durch Pharoah Sanders' Album "Karma" bekannt wurde.
Dieser Song, in dem eine ganze Ära eingefangen scheint - friedensbewegtes Flower Power und Suche nach spiritueller Innerlichkeit - erklang auch 1970 auf den Berliner Jazztagen. Ein anderer Saxofonist, der gelöst und expressiv aufspielende Oliver Nelson, stand ihm hier zur Seite. Das ist umso erfreulicher, da es nicht viele Aufnahmen des als Arrangeur hoch gehandelten (und fast eher in die kommerzielle Ecke abgestellten) Nelson gibt, auf denen er selbst spielt. Nelson war wegen eines anderen Projekts nach Berlin gekommen; auch viele der anderen Musiker, so der deutsche Bassist Günter Lenz und der bei Sun Ra spielende Drummer Lex Humphries, gehörten eigentlich nicht zu seiner Band. Und man staunt, wie gut sie alle zusammenpassen!
Dieses Album, sicherlich eines der wichtigsten des so bald wieder in seiner Bedeutung zurückgetretenen Leon Thomas, ist nun erstmals auf CD erschienen, mit einer gewichtigen Ergänzung, einem einige Monate zuvor eingespielten Blues, indem Thomas gegen den "dirty mean" Vietnam-Krieg ansingt.

Marcus A. Woelfle, 04.04.2002



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