Responsive image

Trio

Marcin Wasilewski, Slawomir Kurkiewicz, Michal Miskiewicz

ECM/Universal 1891 982 0632
(64 Min., 3/2004) 1 CD

Das gute alte Klaviertrio sieht sich plötzlich wie eine Popikone vom Erfolg verwöhnt. Die großen Seller wandeln dabei auf einem Weg, den Keith Jarrett entscheidend geebnet hat. Das Label ECM steht für den Anfang dieses Weges, und immer hat es auch die geheimnisvollen Seiten- und Nebenstraßen gepflegt, die den Weg durch die Pianolandschaft mäandrierend begleiten; man denke an Paul Bley oder Marilyn Crispell. Kein Wunder also, dass ECM auf dem Höhepunkt des Klaviertrio-Booms das Debütalbum eines polnischen Trios vorlegt, das die Seiten- und Nebenstraßen in aktuelle Gefilde lenkt. Die subtile, klangmodellierende Spielkultur lässt an das aufregende und dann nie gehaltene Versprechen denken, das der junge Pianist Wolfgang Dauner vor vierzig Jahren mit "Dream Talk" gab; hier erfährt es endlich seine zeitgemäße Einlösung. Ganz natürlich manifestiert sich der Geist der Zeit mitunter in binärer, schwebend leichtfüßiger Rhythmik. Völlig überraschend kommt diese Musik, die immer wieder die harmonische Raffinesse feiert, nicht: das Trio aus dem Pianisten Marcin Wasilewski, dem Bassisten Slawomir Kurkiewicz und dem Schlagzeuger Michal Miskiewski ist bereits seit neun Jahren die so wunderbar einfühlsame Begleitband des Trompeten-Poeten Tomasz Stanko. Jetzt beweisen die drei Musiker, die ganz unspektakulär Riesenvirtuosen auf ihren Instrumenten sind, dass aus ihrem jahrzehntelangen Zusammenspiel eine organische Trioeinheit erwachsen ist, die diesseits und jenseits des Baltikums an subtiler Tiefendurchdringung des verarbeiteten Materials und ihrer warmherzigen Kommunikation ihresgleichen sucht.

Thomas Fitterling, 02.04.2005



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Nun gibt es sie also, die erste offizielle Barock-CD (oder sogar generell?!) zur Coronakrise. Zumindest für das Coverfoto posiert die Lautten Compagney Berlin im Mundschutz, den man bei den Proben freilich auch in enger Kreisaufstellung nicht trug, wie die übrigen Fotos belegen. Hier soll der Bezug zur Krise die schon früher geborene Idee eines Bach-Albums brachial aktualisieren, wobei Bachs Musik durch diese Verengung auf COVID-19 nicht unbedingt gewinnt, so fundamental ist seine […] mehr »


Top