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Kurt Weill Jazz Songs

Noga

Music For You/Sony 500616 2
(42 Min., 1998) 1 CD

Jazzsongs - das ist ja nicht gerade, was einem zu Kurt Weill, Bert Brechts erstem großen musikalischen Partner, in den Sinn kommt. Gut, "Speak Low" und "September Song" gehören inzwischen zum Standard-Repertoire, aber der "Alabama Song", "Surabaya Johnny" und die "Ballade von der Frau des Soldaten" sind im Hörer-Bewusstsein eisern mit Lotte Lenya oder dem Berliner Ensemble verbunden. Man hat sie einst 68-bewegt in der blauen Stunde zur Verklärung der eigenen ach so verrucht revolutionären Attitüde aufgelegt.
Da kommt es fast einem Sakrileg gleich, wenn diese Ikonen in expressiver amerikanischer Night-Club-Manier dargeboten werden. Doch Noga (eigentlich Noga Rappaport) aus Genf mit Verbindungen nach USA und Israel kennt solche Skrupel nicht. Der israelische Gitarrist Simon Belelty hat ihr die Songs als Jazz-Nummern für Stimme und Quartett arrangiert. Das Ensemble, angeführt vom Pianisten Kirk Lightsey, trifft genau die Balance von feiner ironischer Distanz und lasziv-elegant routinierter Jazz-Vocal-Begleitung.
Die Sängerin Noga ihrerseits hält den Zuhörer lange selber in einer Art Balance, da er nicht weiß, ob er die amerikanischen Jazz-Singer-Manierismen als ironisch überdreht oder als überbemüht peinlich interpretieren soll. Die natürliche Gestaltung von Boris Vians Übersetzung des "Surabaya Johnny" bringt plötzlich ungeahnte Frische ins Programm, und man würde Noga am liebsten bejubeln, wenn nicht ausgerechnet der "September Song" in zum Kitsch gesteigerten Manierismus versänke.

Thomas Fitterling, 30.11.2000



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