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Johann Sebastian Bach, Anton Webern

Ricercata, Kantate Nr. 4 "Christ lag in Todesbanden", Streichquartett (1905), Fünf Sätze op. 5

Hilliard Ensemble, Münchener Kammerorchester, Christoph Poppen

ECM/Universal 461 912-2
(69 Min., 01/2001) 1 CD

Bis tief in die so genannte Zweite Wiener Schule hinein schwebte der heilige Geist von Johann Sebastian Bach, seine kunstvolle Form-Architektur und seine in sich ruhenden Klangwelten, an denen auch ein Anton Webern sein musikalisches Denken schärfte. Dirigent Christoph Poppen widmet nun mit dem Münchener Kammerorchester und dem Hilliard Ensemble dieser imaginären Freundschaft ein ganzes Album. Wobei die CD "Ricercar" vor allem eine organische Verschränkung zweier nur auf den ersten Blick unterschiedlicher Musiksprachen ist. Denn Bachs chromatische Erfindungen und expressive Themenausdeutungen bebten bei den Zwölftönern regelrecht nach.
Weberns Orchestrierung von Bachs sechsstimmigen Ricerar aus seinem letzten Werk "Das Musikalische Opfer" bildet so die Klammer dieser eindringlich auf den Grund von Musik gehenden Fern- und Nahreise. Das ständige Befragen von musikalischen Substanzen verläuft über die Orchesterversionen von Weberns Streichquartett und den Fünf Sätzen für Streichquartett op.5, die plötzlich von ähnlicher Intensität und Farbdifferenzierungen sind wie Bachs frühe Kantate "Christ lag in Todesbanden". Gerade darin findet sich bereits jener kühne Umgang mit kontrapunktischen Strukturpfeilern und harmonischen Experimenten, wie sie im "Musikalischen Opfer" kulminieren und darüber hinaus weiterleben sollten. Dass Christoph Poppen jetzt diese musikalische Genealogie mit ihren ergreifenden Kontaktstellen zum Atmen bringt, macht "Ricercar" so auch zu einem ganz eigenen Kosmos.

Guido Fischer, 01.12.1999



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