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Acoustic Jazz

Frank Spaniol Quartett

Rodenstein Records
(51 Min., 4/2002) 1 CD, www.jazz-network.com

Gar keine dumme Idee, einer Platte den auf den ersten Blick unspektakulären Titel "Acoustic Jazz" zu verpassen. Im Zeitalter der Loops, Laptops und Pop-Bearbeitungen hat es schon wieder fast etwas Avantgardistisches, wenn sich junge Improvisatoren nur mit akustischem Instrumentarium ins Studio stellen, um Modern Jazz ohne Zeitgeist-Firlefanz zu spielen. Es wirkt umso überraschender, weil man den Bandleader Frank Spaniol in erster Linie als Saxofondienstleister der lustig hippen Lounge-Kitsch-Formation De-Phazz kennt. Jetzt muss man sagen: Das ist ein bisschen so, als würde man Perlen vor die Dancefloor-Säue werfen.
Denn Spaniol gebietet auf dem Tenor über die gesamte Ausdruckspalette von Coleman Hawkins bis Michael Brecker, zeigt sich auf dem Sopran als großer Wayne-Shorter-Sympathisant und schreibt auch noch hübsch vertrackte Stücke, die mit altbackener Bop-Traditionspflege nichts am Schalltrichter haben. Zudem verfügt er über einen seit drei Jahren konsequent am eigenen Gruppen-Sound arbeitenden Musiker-Zusammenschluss im Rücken, der aus einem Guss agiert. Wie basisdemokratisch es im Frank Spaniol Quartett zugeht, sieht man daran, dass neben dem Bläser auch Pianist Ulf Kleiner, Bassist Markus Bodenseh und Schlagzeuger Sebastian Merk Kompositionen für die vom Saarländischen Rundfunk koproduzierte Debüt-Aufnahme beigesteuert haben. Solange es solche frischen Platten gibt, hat der gute alte akustische Jazz noch längst nicht abgewirtschaftet.

Josef Engels, 01.05.2004



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