Das Rossini-Festival im Schwarzwald-Kurort Wildbad kann sich den gelungenen Produktionen der Rossini-Stadt Pesaro getrost an die Seite stellen. Kein Wunder, wenn ein ausgebuffter Sänger- und Orchesterfuchs und Rossini-Wissenschaftler von Rang wie Alberto Zedda am Pult regiert. Er tut das mit der freundlichen Gelassenheit des reifen, aber vitalen Veteranen. Er sucht sein Heil nicht in der rasanten Überrumpelungskunst junger Feuerköpfe, er weiß: Eine Pointe, die zünden soll, muss gut vorbereitet, der Witz will erst einmal erzählt sein. Der Prager Kammerchor und das SWR-Orchester sind zuverlässige Stützen der Aufführung. Was dem Orchester an unverkennbarem Profil und Kolorit fehlt (etwa an der treffsicheren Lässigkeit einer Banda Municipale - aber wäre das nicht zuviel verlangt?), macht es mit reaktionsschneller Präsenz wieder wett, und über allem Geschehen glänzt unermüdlich die Piccoloflöte. Das jungstimmige, wohlklingende Sängerensemble geht flexibel alle Exkursionen mit, mal in den Bereich der ernsthaften Opera seria, meist in die frivoleren Bezirke der Opera buffa, allen voran die schon zu einiger Berühmtheit aufgestiegene Joyce DiDonato und der längst mit allen Wassern gewaschene Buffo- und Parlando-Virtuose Bruno Praticò. Höhepunkt, ob im Solo oder im Ensemble, ist immer so eine Salto-Mortale-Nummer von gesungener Zungenbrecherei, atemberaubend eher noch für den Zuhörer als für den Sänger, und jedes Mal souverän kontrolliert von Maestro Zedda.

Karl Dietrich Gräwe, 12.11.2005



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