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Emerson Plays Emerson

Keith Emerson

EMI Classics 5 57301 2
(62 Min.) 1 CD

Er hatte seine Chance. Aber was hat er damit angefangen? Keith Emerson, der mit den Bands The Nice und Emerson, Lake And Palmer Rockgeschichte schrieb, gelang mit "Emerson Plays Emerson" nur ein zickig-selbstverliebtes Album mit semi-klassischem Anstrich. Dabei dominieren zwei Stil-Varianten: Entweder spielt er elegisch-romantische Etüden oder er hämmert im Stride und Boogie verwurzelte Stücke.
Nicht viel, und wie zu beurteilen? Soll man für die in der Jazz-Tradition wurzelnden Stücke einen Marcus Roberts als Maßstab heranziehen? Das läge nahe, und dann würde Keith Emerson mit einem schlichten "der andere ist besser" abqualifiziert. Andererseits beeindruckt es schon, mit welcher Energie Emerson beispielsweise in "A Cajun Alley", "Hammer It" und "Barrelhouse Shakedown" kraftvolle Figuren der Linken gegen eine rhythmisch freie Rechte setzt. Aber genügt das? Ist das alles? Und wie sieht es mit der Tradition der Klaviermusik der letzten Jahrhunderte aus?
Bei einem solchen Vergleich steht Keith Emerson schwach da, denn was seine Klassik-Kollegen vor ihm leisteten, ist intellektuell ausgereifter, komplexer und zudem mit effektiverer akustisch-emotionaler Wirkung. Im Grunde beschränken sich seine Kompositionen auf hübsch garnierte Melodielinien, die oft durch rasante Läufe oder mächtig aufgeschichtete Akkordtürme durchbrochen werden, sich ansonsten aber lediglich in illustrierenden Begleitfiguren bewegen.
Nach dem Ende von Emerson, Lake And Palmer arbeitete Keith Emerson überwiegend als Film-Komponist, und einige der Themen seines Selbstportraits entstanden auch für Filme. Es mag sein, dass sie dem Auftragszweck genügten. Als selbständige Musikstücke wirken sie reichlich dünn. Zudem mag es ja sein, dass er mächtig stolz darauf ist, dass er 1976 mit Oscar Peterson in einer BBC-Show jammen durfte, aber besonders aufregend ist die Routine-Session wahrlich nicht.
Und wen außer Keith Emersons engstem Familienkreis interessiert schon, was auf der selbst produzierten Platte war, die er mit vierzehn Jahren seinen Großeltern schenkte und die nun das letztes Stück der CD ist? Wie viele Teenager konnte er das Tempo nicht halten, als er ein Medley mit der Melodie von "Kalkutta liegt am Ganges" in die Tasten hämmerte. Jeder Bundessieger von "Jugend musiziert" ist da besser. Was tun? Ganz einfach: Die Oldies von Nice und Emerson, Lake and Palmer auflegen und die Gegenwart vergessen.

Werner Stiefele, 23.05.2002



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