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Georg Philipp Telemann

Flötenkonzerte

Emmanuel Pahud, Berliner Barock Solisten, Rainer Kussmaul

EMI 5 57397 2
(66 Min., 6/2002) 1 CD

Das ist eine Auferstehung: Dem bösen Tintenfraß entronnen, der schon ganze Bassstimmen weggeknabbert hatte, dürfen die zwei einfühlsam rekonstruierten Flötenkonzerte von Telemann jetzt mit einem der besten Flötisten unserer Zeit an das Ohr der modernen Öffentlichkeit treten. Emmanuel Pahuds Flötenton ist weich und natürlich wie ein Abendhauch im Schilf und doch zu all der sprechenden Beweglichkeit fähig, welche man sich für die Darbietung von Musik des 18. Jahrhunderts wünschen kann.
Das von Arn Aske rekonstruierte G-Dur-Konzert könnte mit den verträumten Seufzern seines Eröffnungssatzes ebenso zum wirkungsvollen Repertoirestück werden wie das frühe a-Moll-Konzert für zwei Flöten, das der Geiger Raimar Orlovsky dem Archiv entriss. Telemann-Kenner werden in dem zweiten Satz dieses Doppelkonzerts mit seinen deftigen polnischen Untertönen eine Vorstudie zu Telemanns großartigem Konzert für Blockflöte und Querflöte in e-Moll erkennen.
Neben den beiden Neuentdeckungen und einem leichten D-Dur-Konzert gibt es noch das charakteristisch ausgearbeitete A-Dur-Konzert aus der "Musique de table" sowie ein apartes E-Dur-Konzert für Flöte, Oboe d'amore, Viola d'amore und Streicher. Die Berliner Barock Solisten begleiten all dies gewiss mit Geschmack und genauen Kenntnissen in der historischen Aufführungspraxis. Doch wie viele Spin-off-Ensembles der Berliner Philharmoniker scheinen auch sie an dem Klangadel des Mutterensembles festzuhalten wie an einem eingeführten Markenzeichen. Dabei will sich ihr trotz historischer Instrumente gern samtig glänzender Streichersound nicht völlig zum Haut-gout der Oboen fügen, deren Klang sich nur begrenzt spieltechnisch glattpolieren lässt.
Und selbst Emmanuel Pahuds feinstens getupfte Töne können natürlich nicht das moderne Instrument verleugnen, auf dem er spielt. Auch sonst ist die Synthese aus verschiedenen Klang- und Musizieridealen nicht vollkommen gelungen: Die neckischen Rubati, mit denen die Musiker etwa das D-Dur-Konzert ausstatten, wirken aufgesetzt, als seien sie aus unterfordertem Gestaltungstrieb entstanden: Mir wäre eine Entscheidung zwischen einer konsequent manieriert-romantisierenden oder einer rhetorisch sprechenden Musizierhaltung jedenfalls lieber.

Carsten Niemann, 19.12.2002



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