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Robert Schumann, Johannes Brahms, Sergei Prokofjew, Johann Sebastian Bach

Intermezzi op. 116, Kinderszenen, Klaviersonate Nr. 7 u.a.

Alexander Mogilewsky

EMI 5 67934 2
(57 Min., 2/2002) 1 CD

Im "Global Village" des Musiklebens gibt es noch lokale Eigenarten: Der Klavierstil von Alexander Mogilewsky, der hier in der Reihe "Martha Argerich presents" vorgestellt wird, ist ganz unverhohlen russisch geprägt, eine Interpretationsschule, die durch die Weltereignisse vielleicht sogar erst wieder im Kommen ist.
Stellen Sie sich einen Brahms vor, der eigentlich wie Rachmaninow klingt, dann sind Sie der Sache schon sehr nah. Bei den schon an sich dunkel-trüben Intermezzi aus Opus 116 holt der 1977 in Odessa geborene und in Moskau ausgebildete Pianist durch langsam gewählte Tempi und die Betonung einzeln aufleuchtender Melodielinien noch gedankenvolle Schwere hervor.
Eher langsame Tempi prägen auch Robert Schumanns "Kinderszenen", besonders auffällig in der "Träumerei" und in "Fast zu ernst". Hier setzt Mogilewsky die Musik schon der Gefahr des Zerfaserns aus, so verträumt und sinnierend sind diese Stücke gespielt. Das fordert dem Zuhörer aber auch Konzentration ab und birgt so die Möglichkeit einer interessanten Neubesichtigung des manchmal nur allzu Bekannten. Dann wieder bewundert man die Leichtigkeit und Durchsichtigkeit, mit der der "Hasche-Mann" und der "Ritter vom Steckenpferd" gespielt sind.
Mogilewskys Duktus ist sehr ausgewogen und ruhig, nirgends überhastet, sondern eher nachdenklich, sein Anschlag kennt ein weites Feld der Nuancierungen zwischen subtil-sanft bis bissig-hart. Das kommt auch der an sich ziemlich spröden Klaviersonate Nr. 7 von Prokofjew zu Gute. Die strikte, manchmal brutale Tonsprache Prokofjews detailliert ausformulierend gibt Mogilewsky der Sonate eine angenehm konsequente Grundstimmung. Der fast zum Wahnsinn getriebene letzte Satz "Precipitato" mit seinem gehämmerten Rhythmus könnte aber durchaus noch schärfer gespielt werden - doch auch hier behält Mogilewsky eine kontrollierte Übersicht.
Wie eine Zugabe erklingt noch ein Präludium in h-Moll von Bach in einer Klavierfassung von Alexander Siloti, das durch seine melodiöse Ruhe so etwas wie einen beruhigenden Abschluss bildet.

Matthias Reisner, 25.07.2002



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