home

N° 1220
25.09. - 01.10.2021

nächste Aktualisierung
am 02.10.2021



Responsive image
Robert Schumann u.a.

Carnaval u.a.

Mauricio Vallina

EMI 5 67936 2
(70 Min., 5/2001, 6/2001) 1 CD

Wer die Nerven hat, unter dem Patronat Martha Argerichs ausgerechnet Schulz-Evlers vertrackte Arabesken über Strauß "Donauwalzer" ans Ende des Programms zu setzen, das Paradestück Lhevinnes oder Bolets, der muss schon etwas mehr virtuosen Drang entfesseln als Mauricio Vallina. Sein kreuzbrav-solides Spiel wird Martha hienieden und ihre Virtuosenkollegen im Pianistenhimmel doch eher zum Gähnen gebracht haben. Aber das ist auch nicht so wichtig.
Schumanns "Carnaval" aber ist ein (fast totgespieltes) Repertoire-Schwergewicht. Schon nach dem "Préambule" ahnt man, auch dieser Ball wird enttäuschend enden. Vallina zerlegt Schumanns Miniaturen in launig gegen den Strich phrasierte Gesten, als glichen sie einem zerbrochenen Spiegel, der turbulentes Geschehen in tausend Fragmente verworfen reflektiert. Als hätten Interpreten wie Cortot nicht gezeigt, dass die bizarren und eruptiven Umschwünge doch einkomponiert sind, verzerrt Vallina das Thema der "Valse noble" oder, greller noch, jenes des "Florestan". Es fehlt ihm der große, organische Bogen, es fehlt der tragende, singende Ton im Diskant, all diese kleinen Grimassen, die Ritardandi mit der Aura endgültigen Steckenbleibens, aufzufangen.
So drohen Zerfall und Zerstreuung. Der "Carnaval" zieht vorüber wie ein nicht allzu ärgerliches, gelegentlich einfühlsames ("Aveu") romantisches Musikvideo, dessen flotte Perspektivwechsel die Leere vertreiben sollen. Eine auf Eingängigkeit zielende Geste markiert den Schluss und bleibt im Geiste hängen: Ein überaus pathetisches Ritardando vor der Piu-stretto-Apotheose des "Marche" hinterlässt uns mit der Erkenntnis, dass da jemand alle Maskenball-Poesie vertrieben hat im angestrengten Versuch, sie plastisch zu beschwören.

Matthias Kornemann, 08.08.2002



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Sanfter Umbruch: Die Jahre als Kapellmeister beim Fürsten Ésterhazy weiß Joseph Haydn als Experimentierfeld zu nutzen. Das zeigen nicht nur seine fast planvollen Erprobungen im Bereich der Sinfonie, deren weltweit geschätzter Könner er werden wird, sondern auch die solistischen Einsätze und in diesen Jahren entstandenen Solokonzerte. Wie auch Mozart kannte Haydn die Solisten, für die er schrieb alle persönlich, es waren meist seine Kollegen in der Hofkapelle. Die beiden überlieferten […] mehr


Abo

Top