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N° 1220
25.09. - 01.10.2021

nächste Aktualisierung
am 02.10.2021



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Robert Schumann

Lieder (Salzburger Liederabend vom 13. August 1977)

Brigitte Fassbaender, Erik Werba

Orfeo C 636 041 B
(64 Min., 8/1977) 1 CD

Immer wieder überrascht das rhapsodische Feuer, mit dem Brigitte Fassbaender Lieder vorzutragen pflegte - so manches, was man vor allem gegenwärtig auf diesem Gebiet hört, muss gegen jene furiosen Ergüsse wie ein leichtes Dessert anmuten: Ob seiner Süße zwar genussvoll zu konsumieren, aber nicht wirklich gehaltvoll, nicht wirklich den Hunger des Rezipienten nach persönlicher künstlerischer Stellungnahme sättigend. Schumanns berüchtigter Zyklus "Frauenliebe und -Leben" etwa: Fassbaender beschränkt sich hier nirgends auf stilles Sehnen, Hoffen und Bangen; selbst das versonnene "Du Ring an meinem Finger" gerät der vollblütigen Vermittlerin inneren Bewegtseins zur dramatischen Szene; problematische Passagen wie "Ich will ihm dienen, ihm leben, ihm angehören ganz …" haben nichts Peinliches, wenn sie mit solch extrovertierter Leidenschaftlichkeit dargeboten werden.
Das reine Schumann-Programm, das Brigitte Fassbaender und Erik Werba bei den Salzburger Festspielen des Jahres 1977 präsentierten, enthält auch weniger Spektakuläres, optimal aufbereitet allerdings durch Fassbaenders bedingungslosen Vermittlungswillen: Selbst die Mörike-Lieder "Das verlassene Mägdlein" und "Er ist’s" lassen - werden sie so glühend interpretiert - Hugo Wolfs elaboriertere Versionen nicht vermissen.
Brigitte Fassbaenders Herangehensweise ist niemals eine intellektualistische: Wenn es in ihrem Vortrag zu gewissen Hypertrophien kommt - ihr kraftvolles Brustregister war seit jeher ihr Markenzeichen, das bisweilen etwas ungezügelte Vibrato stört wohl eher den heutigen, Alte-Musik-geschulten Hörer als den damaligen -, dann scheint die Ursache dafür immer unmittelbar ein (freilich kontrolliertes) Überkochen des Empfindens zu sein. Manche mögen solche Eruptionen als zu eindimensional kritisieren; die Fähigkeit umfassender Hingabe allerdings, die aus ihnen spricht, sucht man bei anderen Interpreten oft vergebens.

Michael Wersin, 27.11.2004



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