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Giuseppe Verdi

Un ballo in maschera

Massimiliano Pisapia, Franco Vassallo, Chiara Taigi, Orchester der Oper Leipzig, Riccardo Chailly

EuroArts 2055 108
(137 Min., 11/2005)

Premiere in mehr als einem Sinn: Verdis "Maskenball" zur Eröffnung der Leipziger Opernspielzeit 2005/2006, Inthronisierungsvorstellung auch des neuen Opern- (und Gewandhaus-)Chefs Riccardo Chailly. Verdi, urplötzlich wieder im Rang des Außerordentlichen, von zupackender Intensität, haarscharfer Präzision und einem ausgeprägten Klangbewusstsein, so vermutlich seit einem halben Jahrhundert nicht mehr zu erleben. Bei Chailly lernt man den Unterschied zwischen Oboe und Englischhorn hören und warum Verdi die eine hier, das andere dort einsetzt. Toscanini-Assoziationen müssen sich aufdrängen, bei aller Autonomie des Leipziger GMD, nur dass ihm auch noch ein ausgeglichenes, in einigen Positionen exzellentes Solistenensemble zur Verfügung steht. Die DVD übertrifft hier und da sogar die damals vor Ort vermittelten Eindrücke. Und mildert zugleich die Ärgernisse einer Szene, die sich zwischen statuarischer Hilflosigkeit und exzentrischer Unansehnlichkeit durchmogelt. Mit der Kamera lässt sich zoomen, blenden, schneiden, und das videotechnische Endprodukt erleichtert dem Auge die Mühsal, die Unglücksfälle der Szenographie billigend in Kauf zu nehmen. Sei’s drum. Die verwegene Hoffnung allerdings, Leipzig könne sich nach diesem von Chailly inspirierten Initial zumindest musikalisch als neues Opernmekka etablieren, hat seither keine weitere Nahrung erhalten.

Karl Dietrich Gräwe, 13.10.2006



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