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N° 1291
04. - 10.02.2023

nächste Aktualisierung
am 11.02.2023



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Ralph Vaughan Williams, George Butterworth, George Antheil

Sinfonie Nr. 4, A Shropshire Lad, Sinfonie Nr. 4

NBC Symphony Orchestra, Leopold Stokowski

Cala/Helikon 6 67549 05282 4
(74 Min., 3/1943, 2/1944) 1 CD

Es muss ein denkwürdiger Abend gewesen sein, jener 14. März 1943, als Leopold Stokowski mit dem NBC-Sinfonieorchester in New York die vierte Sinfonie von Vaughan Williams aufführte. Vielleicht war es die von der Weltkriegskatastrophe gezeichnete Situation, die Orchester und Dirigent (und das Publikum, wie der enthusiastische Applaus nahelegt) in diesem harten und bitteren Werk unlösbar zusammenschweißte?
Eine leidenschaftlichere und bis zum Bersten gespannte Interpretation der harmonisch kühnsten Sinfonie Vaughans Williams' ist schwer vorstellbar. Bereits nach der Uraufführung des 1934 vollendeten Werks wurde über außermusikalische Bezüge, etwa zu den Hitler- und Stalin-Diktaturen, gerätselt. Vaughan Williams selbst hielt von solchen Deutungen allerdings nichts; auf die Frage, wovon die Sinfonie handle, antwortete er: "Sie handelt von f-Moll!".
Stokowski deutet das Stück nun keineswegs, wie viele, als eine Studie in unerbittlicher Brutalität, sondern gewinnt ihm vielerlei ungewohnte Gefühlsschattierungen ab. Sein Anfangstempo ist ungewohnt langsam, fast ein wenig zögernd klingt der bedrohliche Beginn, man könnte jedoch auch sagen, gefährlich lauernd. Viel Liebe widmet Stokowski den ruhigen Passagen, lässt sie in aller Ruhe aufblühen. Auch das Finale klingt zuerst zurückhaltender als gewohnt, Stokowskis Tempogestaltung ist, wie im Rest des Werks gleichermaßen frei wie flexibel. Den Fugato-Epilog jedoch interpretiert er mit einer Vehemenz und tragischen Wucht, die man auf den meisten neueren Einspielungen vergeblich sucht.
Die anderen Programmpunkte vermögen weniger zu überzeugen. In "A Shropshire Lad" von George Butterworth, einem spätromantisch-pastoralen, typisch englischem Tongedicht, vermag John Barbirolli stärker zum Kern des Werks vorzudringen als der hier etwas sentimentalisierende Stokowski, und die vierte Sinfonie des Amerikaners George Antheil, ein platt und trivial auftrumpfendes Dokument mangelnden Geschmacks, vermag auch ein Stokowski in Bestform nicht zu retten. Außerdem leiden beide Werke unter einem teilweise sehr verzerrten Klangbild. Doch allein die hervorragende Vaughan-Williams-Interpretation lohnt den Kauf dieser CD.

Thomas Schulz, 15.02.2001



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