home

N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



Responsive image
Joseph Haydn

Die sieben letzten Worte Jesu Christi am Kreuze (Orchesterfassung Hob. XX.1)

Le Concert des Nations, Jordi Savall

Alia Vox/harmonia mundi AVSA 9854
(68 Min., 10/2006)

Es war ein höchst merkwürdiger Auftrag: Für ein Karfreitagsritual, das jedes Jahr in der Kirche Santa Cueva von Cadiz stattfand und bei dem der Bischof in dem abgedunkelten, schwarz ausgekleideten Gotteshaus sieben Meditationen über die sieben letzten Worte Jesu Christi am Kreuze sprach, sollte Joseph Haydn orchestrale Zwischenmusiken in gemessenem Tempo schreiben. Haydn machte aus dem Auftrag eines seiner aufregendsten Orchesterwerke: ein Oratorium ohne Worte und ganz und gar nicht naiv wirkendes religiöses Sturm-und-Drang-Werk von düsterer theatralischer Feierlichkeit. Jordi Savall entschloss sich nicht nur dazu, das Werk an seinem Uraufführungsort einzuspielen, dessen Hall Haydn zweifellos mit einkalkuliert hatte und der den Stücken eine zusätzliche Aura verleiht. Er ließ auch die sieben Bibelpassagen in spanisch gefärbtem Latein einsprechen und fügte dem Beiheft zwei alternative neue Meditationen zu den Worten bei: Für Religionsskeptiker eine Passage nach José Saramagos "Evangelium nach Jesus Christus" und für spirituellere Gemüter eine hinduistisch gefärbte Auslegung von Raimon Panikkar. Überzeugend arbeitet Savall den Farbenreichtum der Orchesterversion heraus, die den späteren Fassungen vorzuziehen ist. Der größten Herausforderung der Partitur, die weniger im gemessenen Tempo als dem irritierenden Dur vieler Sätze besteht, wird Savall nur teilweise gerecht: Zwar gelingen ihm großartige Seufzer und Darstellungen gleißenden, unverarbeiteten Schmerzes in der Manier von Glucks "Che farò senza Euridice", doch viele Stellen – so die an Jagdfanfaren erinnernden Hornrufe der siebenten und die neckischen Flötenfiguren der sechsten Sonate – bleiben unerklärt.

Carsten Niemann, 09.11.2007



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Der Beginn ist bekanntlich eine sehr delikate Phase. Womit also fängt man an, als junges Klaviertrio, die ersten Schritte machend auf dem diskografischen Karriereweg? Das Silver Trio hat für sein Album-Debüt Beethoven, Rachmaninow und Bernstein ausgewählt. Eine durchaus merkwürdige Kombination, nicht weil man Musik verschiedener Epochen nicht auf einer CD vereinen dürfe – ganz im Gegenteil, so machen es viele Ensembles teils mit großem Erfolg. Da einem aber irgendwie keine Verbindung […] mehr


Abo

Top