Responsive image
Richard Wagner

Orchestermusik

NBC Symphony Orchestra, Arturo Toscanini

RCA/BMG 74321 59 482 2
(1949 - 1952) 2 CDs, mono

Normalerweise überlasse ich die Bemerkungen zu Digitalisierungen, 20-Bit-Verfahren und sonstiger Restauration den Kennern. Doch ich habe bei dieser Toscanini-CD gestaunt wie ein kleiner Junge. Was auch immer „UV22 Super-CD-Encoding“ ist, das Ergebnis ist fantastisch. Der hergezauberte volle Klang ist, gerade in Passagen wie dem dünnen Streicherbeginn des Lohengrin-Vorspiels, enorm plastisch, könnte unsere Vorstellung von Toscaninis (spätem) Klangideal durchaus zurechtrücken. Wenn auch in diesen Altersaufnamen sein NBC-Orchester schlank und präzise spielt wie eigentlich immer, ist von der manchmal grellen Schärfe, die zum Beispiel bei seinen Mozart-Aufnahmen allzu schneidend-radikal wirkte, nichts zu hören. War das fetzige Brio auch Produkt tonmeisterlicher Ideale? Toscaninis Wagner weckt keinerlei Assoziationen an italienische Oper, wie Skeptiker angeblich immer noch behaupten. Bei aller Helle und Transparenz sind Toscaninis Tempi überraschend breit, fast ausnahmslos breiter als bei Furtwängler! Dazu tritt ein sehr grüblerischer Zug. Ein wunderbares Beispiel ist das emotional zurückgenommene Vorspiel zum dritten Meistersinger-Akt. Es verdient das abgegriffene Prädikat abgeklärt. Toscaninis eisig-klaren Spätstil mag man, etwa im Tristan-Vorspiel, distanziert finden, aber flach oder äußerlich ist er gewiss nicht.

Matthias Kornemann, 31.01.2000



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Spaziergang Hand in Hand: Musikalisch sind sie nur einen Ganzton voneinander entfernt, zeitlich gute zwanzig Jahre. Für ihr neues Album stellt die Akademie für Alte Musik Berlin der bekanntesten Naturdichtung der Klassik, der Pastorale Ludwig von Beethovens, die „Pastoralsymphonie“ von Justinus Heinrich Knecht gegenüber. Das hat zum einen den schönen Effekt, dass sich das so oft gehörte Werk in einem fast unbekannten spiegelt und man durch die Querbezüge und das heimliche Vergleichen […] mehr »


Top