Schon oft wurde Wagner vorgeworfen, mit den "Meistersingern" stilistisch einen Schritt rückwärts gemacht zu haben. Doch ist das Werk bei näherer Beschäftigung mit Musik und Text stets für neue Überraschungen gut. Vier Jahre nach der Premiere der dritten "Meistersinger"-Inszenierung des Noch-Festspielchefs Wolfgang Wagner ist nun das akustische Ergebnis in fast identischer Besetzung als CD-Produktion erschienen, entstanden in Zusammenhang mit der Fernsehproduktion im Vorfeld der letztjährigen Festspiele.
Die Inszenierung hat wegen ihrer Schlichtheit und wegen des fehlenden Bezugs zur wechselvollen Aufführungsgeschichte keine ungeteilte Zustimmung gefunden, bei der Besetzung der Solisten hatte Wolfgang Wagner jedoch eine glückliche Hand. Die Hauptpartien sind mit Ausnahme von Matthias Holle als Veit Pogner mit jungen Stimmen besetzt, die mit diesem Werk 1996 in Bayreuth debütierten. Allen voran Andreas Schmidt als selbstbewusster und nicht, wie sonst oft, kauziger Beckmesser und sein Gegenpart Peter Seiffert als strahlender Junker Stolzing, dessen Darstellung seit der Premiere außerordentlich an Profil gewonnen hat. Robert Holl verkörpert den weisen und listigen Hans Sachs - auch er, wie Pogner und die anderen Meistersinger, ohne falsches Pathos. Auch die Partien von David, Eva und Magdalene sind gut besetzt. Der Chor übernimmt den ihm zufallenden wichtigen Part kraftvoll und ausgewogen.
Daniel Barenboim setzt die vielfarbige, teils karikierende Partitur mit dem Festspielorchester plastisch und flexibel um, wenngleich manche Übergänge und Zäsuren etwas breit geraten; kleinere Verspieler, einzelne Wackler, etwa in der Prügelfuge am Ende des zweiten Aktes, und Bühnengeräusche sind verzeihlich. Die Singstimmen sind in Ensembles wie im Zusammenwirken mit den Orchester und Chor größtenteils ausgewogen; der besondere Mischklang des Festspielhauses ist gut eingefangen.

Peter Overbeck, 07.09.2000



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