Grandioser Neuanfang in Bayreuth nach dunklen Zeiten: 1951 kam auf Einladung von Wieland Wagner ein kaum zu übertreffendes Sänger-Ensemble unter Leitung von Hans Knappertsbusch zusammen, um mit Wagners Bühnenweihfestspiel eine neue Festspiel-Ära einzuleiten. Der Heldentenor Wolfgang Windgassen hielt als Parsifal Einzug auf dem Festspielhügel, der für zwanzig Sommer seine künstlerische Heimat werden sollte. Die sängerisch insgesamt sicherlich nicht unproblematische Martha Mödl befindet sich als Kundry zu jener Zeit auf der vollen Höhe ihres Könnens; George London beeindruckt als Amfortas mit der schieren Gewalt seines wundervollen Materials, das 1967 tragischerweise irreparablen Schaden nehmen sollte. Ludwig Weber, unsterblich geworden durch Erich Kleibers Wiener Rosenkavalier von 1954, vermag als Gurnemanz zu überzeugen. Extraordinäres leistet außerdem der nur spärlich auf Tonträgern dokumentierte Hermann Uhde als dämonisch-stimmgewaltiger Klingsor. Und Hans Knappertsbusch, als letzter Vertreter einer großen ungebrochenen Wagner-Tradition schon zu Lebzeiten eine Legende, zaubert gleich im Vorspiel zum ersten Akt auf unnachahmliche Weise: Selten hat man die Dreiklangsbrechungen der hohen Streicher so präzis und transparent gehört. Danach führt er das Ensemble mit bezwingender Intensität auf der Basis langsamer, aber immer schlüssiger und spannungsreicher Tempi durch die gewaltige Partitur. Auch tontechnisch gelang die Live-Aufnahme übrigens erstaunlich gut: Die Sänger erheben sich mühelos über das Orchester, Nebengeräusche halten sich sehr in Grenzen. Nicht zu unterbieten ist schließlich der Preis dieser Neu-Edition in der Naxos-Reihe "Great Opera Recordings": Er ist um etwa 50 Prozent günstiger als bei der bis dahin einzigen Ausgabe dieser Aufnahme aus dem Hause Warner.

Michael Wersin, 05.07.2003



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