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Kurt Weill

Sinfonien Nr. 1 u. 2, Lady In The Dark

Bournemouth Symphony Orchestra, Marin Alsop

Naxos 8.55 7481
(74 Min., 1/2004) 1 CD

Die Anfangstakte von Kurt Weills 1. Sinfonie, die er 1921 mit 21 Jahren komponierte, schlagen in ihrer blockhaften Größe und verhaltenen Grellheit durchaus einen Bogen zu den mehr sich am Himmel orientierenden Werken eines Olivier Messiaen. Ein Schuss hymnischer Ekstase ist da nicht zu überhören. Das Pathos, das der junge Weill anschlug, kam nicht von ungefähr. Immerhin war er gerade Schüler von Ferruccio Busoni, der sich von der konstruktivistischen Sachlichkeit eines Paul Hindemith oder von der parteigängerischen Attacke eines Hanns Eisler nicht infizieren ließ. Dass diese geradezu anti-moderne Haltung auf Weill abgefärbt hat, ist in diesem einsätzigen, sinfonischen Erstling offensichtlich. Das spirituelle Bekenntnis, das sich im Andante mit seinem Choral machtvoll Raum schafft, nicht verdicken zu lassen oder es gar gefühlig zu nehmen, hat Dirigentin Marin Alsop mit dem Bournemouth Symphony Orchestra vorbildlich beherzigt. Zumal auch das ungestüm-expressionistische Aufflackern so druckvoll wie konturenreich bleibt.
Ähnlich beherzt, aber zugleich auch mit dem nötigen Sinn für das Collagenhafte gehen die Musiker Weills 2. Sinfonie an. 1933 im französischen Exil entstanden, begegnet man jetzt einer trauerverhangenden Atmosphäre, aus der Weill immer wieder eine auf Attacke setzende Klangsprache emporschnellen lässt. Mal zackig à la Eisler, mal mit nostalgischen Reminiszenzen an die eigenen Berliner Schlager. Alsop hört da überall genau hin, verwandelt Gegensätzliches in einen Prozess, der an unmittelbarer Wirkung nichts zu wünschen übrig lässt. Dass danach die von Robert Russell Bennett eingerichtete Konzert-Suite nach Weills Broadway-Musical "Lady in the Dark" den sinfonischen Schwergewichten nicht folgen kann, was den Gehalt angeht, ist daher kaum eine Überraschung. Vielleicht auch deshalb, weil das Bournemouth Symphony Orchestra nicht den Divertissement-Schwung aufbringt, der statt für den Konzertsaal gerade mal für ein Kurkonzert ausreicht.

Guido Fischer, 29.10.2005



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