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Jörg Widmann, Wolfgang Rihm, Bruno Mantovani, Dieter Schnebel

Schubert Dialog

Bamberger Symphoniker, Jonathan Nott

Tudor/Naxos 7132
(77 Min., 10/2002 - 5/2004) 1 CD

"Der Einfluss von Mozart und Schubert auf mein Werk ist nicht zu leugnen. Obwohl wir alle eigentlich bei diesen Namen nur unsere Bleistifte und Federn aus der Hand legen können." So einen bekenntnisreichen Diener machte Jörg Widmann einmal im Gespräch vor seinen großen Vorbildern, zu denen noch Robert Schumann gezählt werden müsste. Der aufstrebende Jung-Komponist und Star-Klarinettist steht damit aber nicht allein da. Schon mit dem "Schubert Epilog" versammelte Dirigent Jonathan Nott Werke von Komponisten wie Berio, Henze und Zender, die mit ihren Navigationssystemen das Erbe Schuberts neu zu entdecken versuchten. Der jetzt zusammengestellte "Schubert Dialog" knüpft an diese traditionsorientierten Grenzüberschreitungen an. Von Dieter Schnebel über Wolfgang Rihm bis Bruno Mantovani und eben Widmann haben sich gleich drei Generationen an das Schubert'sche Epi-Zentrum auf ganz unterschiedliche Weise herangewagt.
Fast erwartungsgemäß wurde Schubert dabei aus derart riesiger Entfernung betrachtet bzw. mikrofaserfein auf den Leib gerückt, dass die postmoderne Zitatenverarbeitung nur noch bei Dieter Schnebels "Schubert-Phantasie (Re-Visionen)" auftaucht. Was zu einer eher konventionellen Wiederbelebung des 1. Satzes der Klaviersonate G-Dur op. 78 geführt hat, bei der das Orchester Brennstäbe in die pastorale Imposanz einzieht. Überraschender ist da schon Widmanns "Lied für Orchester", in dem kurz aufflackernde Liedsignale in eine aufreibende Klangprozession der Sehnsucht so eingespeist sind, als ob Widmann nicht Schubert, sondern Mahler im Hinterkopf gehabt hätte. Auch Widmanns Lehrer Wolfgang Rihm geht in seiner "Erscheinung" reichlich auf Distanz zu dem Geehrten. Wobei Rihm hier seine exzessiv gezackte Klangsprache abgemildert hat und mit bisweilen minimalistischen Figuren in Bewegung hält. Die vielleicht gelungenste "Interpretation" Schuberts gelingt da dem Franzosen Bruno Mantovani in "Mit Ausdruck" für Klarinette und Orchester. So gehetzt und phantasmagorisch das Stück sich u. a. der "Forelle" annimmt, so ist ein lustvoller Umgang mit orchestraler Virtuosität sowie den Überlappungen von Musik-Stilen entstanden, die bei dem Jazz-Fan Montovani in bluesigen Farben münden.

Guido Fischer, 10.09.2005



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