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Béla Bartók

Konzert für Orchester, Klavierkonzert Nr. 3, Porträt op. 5/1

György Sándor, Joseph Szigeti, Pittsburgh Symphony Orchestra, Fritz Reiner, Philadelphia Orchestra, Eugene Ormandy, Philharmonia Orchestra, Constant Lambert

Pearl/Harmonia Mundi GEM 0173
(68 Min., 1946) 1 CD

Eine Art postumes Klassentreffen der Bartók-Schule: Tibor Serly, der das dritte Klavierkonzert anhand der Skizzen vollendete und berichtete, der sterbenskranke Bartók habe das Wort "Ende" schon zu Beginn auf die letzte Notenseite geschrieben, als könne er's nicht erwarten vor dem eigenen; György Sándor, der Schüler und Freund, der das Konzert uraufführte; Joseph Szigeti, Duo-Partner über vierzig Jahre hin; Fritz Reiner, Studienfreund und Klavierpartner; Stefi Geyer, die aus Ungarn stammende Schweizer Geigerin, die Bartók im ersten "Porträt" als "Ein Ideal" verehrt, Schülerin des Bartók-Mentors Jenö Hubay; schließlich Eugene Ormandy, ebenfalls ein Hubay-Schüler.
Alle drei Erstaufnahmen entstanden während Bartóks letzter neun Monate hienieden, und die geballte Kompetenz erschlägt einen schier: Sándor, der die reflexiven und lyrischen Momente des Klavierkonzerts betont, die es von seinen zwei Vorgängern unterscheiden; Szigeti, dessen schlanker, beinahe fragiler Geigenton die unerfüllte Liebe des jungen Bartók behutsam illuminiert; und Reiners Bravourakt mit dem Konzert für Orchester: Die Aufnahme beweist, dass er auch schon vor Chikago ein unnachgiebiger Zuchtmeister war. Die Sarkasmen des "Intermezzo interrotto" kommen scharfgeschnitten wie in der späteren RCA-Aufnahme mit den Chikagoern, der Parforceritt des letzten Satzes vielleicht noch virtuoser, treffsicherer.
Der Meister selbst, Bartók, todkrank und arm am Beutel, sollte das Klischee tatsächlich einmal leben, als Komponist nahezu mittellos zu sterben und seinen Erben einen weltweiten Nachruhm (und die entsprechenden Tantiemen) zu hinterlassen. Aber es gibt noch ein schöneres Klischee (eigentlich ein chinesisches Sprichwort), das besagt, derjenige sei reich, der gute Freunde hat. Hört man diese CD mit seinen Freunden, bleibt nur der Schluss: Bartók starb als reicher Mann.

Thomas Rübenacker, 19.09.2002



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