Wer je bei einem Festival Alter Musik einem Konzert mit Sonaten aus dem venezianischen Frühbarock oder einer Matinee für Gambe solo gelauscht hat, der wird bei dieser CD froh aufatmen. Auch der Barock hatte nämlich sein “Easy listening”, und der entdeckungsfreudige Reinhard Goebel hat es mit dieser Platte auf den Tisch gebracht - die “Sonata pro tabula”, die Sonate für die Tafel, mit der Meister wie Heinrich Ignaz Franz Biber und Johann Heinrich Schmelzer ihren fürstlichen Herren das Speisen versüßten.
Und da den kapellmeisterlichen Lakaien am Wohl ihrer feudalen Arbeitgeber gelegen sein musste, geht es hier gemächlich, schlicht, dezent zu - aber nie langweilig. Denn natürlich kann Goebels Musica Antiqua, hier zusammen mit den Blockflöten vom Flandrischen Flötenquartett, einen solchen Ohrenschmaus delikat ausmusizieren. Wer also je sein Brot mit Tränen aß, kaufe diese Platte, lade die Liebsten zum Mahl im Kerzenschein - und danke still, dass solche Freuden inzwischen auch uns Bürgerlichen offen stehen.

Stefan Heßbrüggen, 31.03.1998



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