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Heinrich Ignaz Franz Biber

Harmonia artificiosa-ariosa (Partita I-VII)

Musica Antiqua Köln

DG/Archiv/Universal 474 965-2
(49 Min., 11/2003) 1 CD

"Bitte, meine Herren!" Sachlich und bestimmt forderte jüngst Reinhard Goebel drei Kollegen seiner Musica Antiqua Köln auf, mit ihm gemeinsam eine Kostprobe der jüngst veröffentlichten Biber-CD zu geben. Vorher hatte er dem Publikum erklärt, dass es mindestens ebenso lange gedauert habe, die Instrumente zu stimmen wie die Stücke lang sind. Die Herren ließen sich nicht lange bitten und zauberten "kunstvoll gesanglichen Wohlklang", denn den hatte der Komponist im Kommentar zu seiner Sammlung versprochen.
"Wohlklang", das hieß für Reinhard Goebel noch nie, eine hochglanzpolierte Oberfläche zu schaffen. Durch akrobatische Doppelgriffe und allerlei Instrumentationstricks von Heinrich Ignaz Franz Biber provoziert, entfaltet die Musica Antiqua Köln einen vollen Klang, der eigenwillig fluoreszierende Farben zeigt. "Skordatura" ist das Fach- und Zauberwort für diese Klangwirkung, eine Technik die das Umstimmen der Saiten bezeichnet.
Reinhard Goebel hat 30 Jahre lang "über diesen sieben Partituren gebrütet, sie erwogen, verworfen, geübt", Musik, die schon in Bach und Telemann ihre Bewunderer fand. Der Geiger, dessen atemberaubende Einspielung der Biber'schen Rosenkranzsonaten von 1991 noch heute ein exzellenter Tipp ist, hat den Schlüssel gefunden und derzeit auch genau die richtigen Musiker für Biber in seiner Musica Antiqua Köln. Sie bringen die Geduld und die Virtuosität auf, in diesen Stücken von barocker Üppigkeit und experimenteller Komplexität die Harmonia artificioso-ariosa zu entdecken. Und irgendwie sehnt man sich in der Fülle der auf unseren vermeintlichen Zeitgeschmack hin designten Klänge wieder nach eben dieser obertonreichen rauen Schönheit. Nach Persönlichkeit.

Margarete Zander, 15.05.2004



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