Responsive image

Tests Of Time

Ralph Peterson

Criss Cross Jazz/helikon harmonia mundi 1240
(71 Min., 12/2002) 1 CD

Der swingende akustische Jazz besitzt eine so große und reiche Tradition, dass revolutionäre Veränderungen kaum vorstellbar sind. Erneuerungen finden allenfalls im Kleinen statt, indem Musiker das vorhandene Wissen eigenwillig und trickreich kombinieren. Genau dies machen der Schlagzeuger Ralph Peterson, der Trompeter Jeremy Pelt, der Saxofonist Jimmy Greene, der Pianist Orrin Evans und der Bassist Eric Revis. So mischt er in "Question" einen Fünfvierteltakt in jeden der ansonsten im Viervierteltakt swingenden Chorusse, und "Dark Prince", eine Ableitung aus einem Motiv von Miles Davis, ist nicht - wie üblich - in Einheiten von vier und acht Takten gegliedert, sondern in siebentaktige. Das sind kleine Spielereien, die beim unbefangenen Hören kaum auffallen, die andererseits für die Musiker neue, wichtige gedankliche Entwicklungen sind, soll der akustische Jazz nicht in der Imitation der Tradition erstarren. Dazu kommt, dass Ralph Peterson ein exzellenter Schlagzeuger ist, der sich eine Fülle ungewöhnlicher, stets groovender Schlagfolgen einfallen lässt, und die übrigen Bandmitglieder ebenfalls durch ihren eigenwilligen Charakter die Stücke zu einerseits eingängigen, andererseits anspruchsvollen Kleinodien machen. Der akustische Jazz hat sich längst zu einem Kunstgenre entwickelt, das eigentlich klassischer Kammermusik vergleichbar wäre, in der Vorstellungswelt der Hörer allerdings immer noch - zu Unrecht! - im Club und Keller angesiedelt wird.

Werner Stiefele, 24.01.2004



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Beutezüge im Barock: Manche Solisten haben das Pech, dass die größten Komponisten gerade für ihr Instrument kein Konzert geschrieben haben. Keine Trompete bei Mozart, keine Flöte bei Bach und überhaupt keine Konzerte von Schubert. Und obwohl Antonio Vivaldi dank seiner versatilen Schülerinnen in der Pietà für fast jedes erdenkliche Instrument und jede Kombination Concerti in Fülle entworfen hat – allein 39 für’s Fagott, nur seine eigene Violine hat mehr bekommen – gibt es […] mehr »


Top