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Dmitri Schostakowitsch, Modest Mussorgski

Sinfonie Nr. 15, Lieder und Tänze des Todes, Chowanschtschina-Ouvertüre

Sergej Aleksashkin, Chicago Symphony Orchestra, Georg Solti

Decca/Universal 458 919-2
(3/1997) 1 CD

Erst relativ spät fand Georg Solti zur Musik Schostakowitschs, und es mutet symbolisch an, dass eines der letzten Werke, die Solti aufnahm, die letzte Sinfonie des russischen Sinfonikers ist. Als Kopplung gibt es Mussorgskis düstere “Lieder und Tänze des Todes” in der Orchestrierung Schostakowitschs, mit Leidenschaft und Biss vorgetragen von Sergej Aleksaschkin.
Es fällt auf, dass Solti die filigrane und introvertierte Fünfzehnte nicht als jenes Werk des Abschieds auffasst, als das diese Sinfonie mit Fug und Recht aufgefasst werden könnte. Er wählt durchweg zügige Tempi und tendiert auch nicht zu jenen unseligen Rubati und Temposchwankungen wie unlängst Mariss Jansons. Seine Gestaltung der vierzigminütigen Partitur besitzt Hand und Fuß - nur an der Seele fehlt es mitunter.
Bei Solti findet sich wenig von der Hintergründigkeit, die das gutgelaunte Getümmel des Kopfsatzes in eine “Danse macabre” verwandeln kann. Die Wagner-Zitate und der Allegretto-Hauptsatz des Finales stehen etwas beziehungslos nebeneinander, und die zentrale Passacaglia zieht munter ihren Weg, so dass der katastrophische Höhepunkt in der Mitte des Satzes ziemlich überraschend einsetzt und auch keine weiteren Spuren hinterlässt. Das ist eine hübsche Ballettszene, kein sinfonisches Lebewohl. Sicher kommt eine solch nüchterne Sichtweise dem Werk eher entgegen als Sentimentalisierung und Übertreibung - das interpretatorische Non plus ultra ist aber auch Soltis Aufnahme nicht, so glasklar und klangschön sie auch geraten ist.

Thomas Schulz, 28.02.1999



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