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Dmitri Schostakowitsch, Johann Sebastian Bach

Präludien und Fugen

Olli Mustonen

RCA/BMG 74321 61446 2
(6/1997) 2 CDs

Als Juror des Bach-Wettbewerbs 1950 in Leipzig hatte Schostakowitsch sich jede Menge Präludien und Fugen anzuhören - genug Inspiration für 24 eigene Versuche im Genre, sein Opus 87. Der junge finnische Pianist Olli Mustonen hat die Hälfte des Zyklus mit der Hälfte des ersten Buches von Bachs Wohltemperiertem Klavier originell verwoben. Beide Größen erscheinen in dieser ungewohnten Nachbarschaft in reizvoll neuem Licht.
Zwar versöhnt der Kontrapunkt des 20. Jahrhunderts die Stimmen nicht immer bruchlos, stellt sie vielmehr auch häufig genug dissonant gegeneinander. Und doch gewinnt man tiefe Hochachtung vor Schostakowitsch, spricht doch die Dissonanz hier die Wahrheit unseres Jahrhunderts aus. Die pianistische Aufgabe besteht für Mustonen hier darin, das Groteske, Scharfe, zwar kenntlich zu machen, es aber nicht zu übertreiben - schließlich soll Bach von seinem russischen Bruder im Geiste nicht erschlagen werden.
Umgekehrt muss Bach sich aber auch aus eigener Kraft gegenüber der Modernität von Schostakowitsch behaupten können. Hier zeigt Mustonen, was für ein begabter Pianist er ist. Er arbeitet mit allen Mitteln des modernen Konzertflügels, pedalisiert hauchzart, zaubert dann wieder irisierendes Farbenspiel aus allen Registern - und doch wohnt man nie einer Romantisierung der barocken Klänge bei. Vielmehr bleibt Mustonen immer ganz nah am polyphonen Gefüge, das uns dadurch auf einmal erschreckend heutig vorkommt - am beklemmendsten vielleicht in der das erste Buch (und diese Aufnahme) beschließenden h-Moll-Fuge BWV 869.

Stefan Heßbrüggen, 31.01.1999



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