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Johann Sebastian Bach

Sechs Solosuiten für Violoncello

Steven Isserlis

Hyperion/Codaex CDA 67541/2
(137 Min., 12/2005, 7/2006) 2 CDs

Kein Mensch weiß, warum und wann Johann Sebastian Bach seine sechs Suiten für Violoncello solo komponiert hat – auch Steven Isserlis nicht. Dafür weiß er alles andere, zum Beispiel, wie sie zu spielen sind, dass es nach zirka einem Viertel hundert Aufnahmen noch lohnt, sich gerade diese zu kaufen. Die Stücke, jeweils ein Präludium und eine Folge barocker Tänze, waren lange Zeit nur Etüdenmaterial. An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert hauchte der katalanische Cellist Pablo Casals ihnen Konzertodem ein: Seit diesem Moment lebten sie auch auf dem Programmzettel. Nach Casals und etwa Pierre Fournier ist Isserlis nun die Enkelgeneration, die von den Vorgängern gelernt hat – und das Gelernte transformiert zu etwas atemberaubend Neuem.
Die Isserlisversion ist zuerst einmal die eleganteste, die biegsamste. Wer aber glaubt, "Eleganz" verhindere "Tiefe", der höre etwa die Allemande der fünften Suite: Eleganter und profunder geht’s nicht. Weil er sich nicht auf Höhepunkte "setzt" (wie viele andere), sondern das Material scheinbar nur leicht berührt, ist Isserlis der Essenz näher als irgend einer vor ihm. Ein begnadeter Tänzer auf seinem Instrument, der aber (im Booklet) auch mit Worten zu schildern weiß, warum diese Musik ihn so bewegt. Und indem er nicht knödelt oder mit dem Zeigestab hantiert, bewegt er auch den Hörer. Das ist gewiss kein Repertoire für drei Tenöre im Stadium oder Anna Netrebko. Aber wer Ohren hat für die Nuancen des Leisen, der Intimität – der könnte sich hier niemals satthören.

Thomas Rübenacker, 28.07.2007



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