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N° 1259
25.06. - 01.07.2022

nächste Aktualisierung
am 02.07.2022



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Dmitri Schostakowitsch

Das goldene Zeitalter

Royal Scottish National Orchestra, José Serebrier

Naxos 8-570217-18
(144 Min., 5/2006)

Bei der Leidenschaft, die Schostakowitsch für den Fußball hegte (und die er übrigens mit dem Geiger David Oistrach teilte), nimmt ein Ballet nicht wunder, das sich mit der schönsten Nebensache der Welt beschäftigt. Dem Match, das auch tatsächlich ausgetragen wird, räumt der Komponist allerdings nur eine Episode von fünf Minuten ein. Das titelgebende „goldene Zeitalter“ ist der Name einer Halle auf einer Industriemesse, die in einer westeuropäischen (kapitalistischen) Metropole veranstaltet wird. Eine sowjetische Fußballelf kommt zu Besuch angereist und sieht sich nicht nur mit den sportlichen Aufgaben konfrontiert, sondern auch einem Geflecht von lasziver Dekadenz, korrupter Schieberei, faschistischem Rassenwahn, von Volksverhetzung und Ausschreitungen. Sowjetfußballer kann so etwas nicht erschüttern, sie bleiben aufrechte Männer und schließen den Solidaritätspakt mit ihresgleichen, mit den Arbeitern im Westen.
Eulenspiegel Schostakowitsch betreibt sein Geschäft augenzwinkernd. Er macht kein Hehl aus seiner Liebe zu einer Musik, die den Sportlern aus dem Osten angeblich so verderblich ist: American Jazz, Fox, Charleston und auch Cancan. Bei der Uraufführung 1930 in Leningrad müssen die Funktionäre den Braten gerochen haben. Gleich danach und auf mysteriöse Weise verschwand das Ballet in der Versenkung. Jetzt ist es zum ersten Mal komplett, mit allen Wiederholungen und in abendfüllender Länge zu hören. Es weckt nicht ganz die erwartete Begeisterung, es könnte um ein Haar zum Plädoyer gegen Schostakowitsch geraten. Sicher, der hat alle Register seine Trickkiste gezogen, in der wendigen Ausbeutung seiner Metiersicherheit ist er unerschöpflich. Aber irgendwann wird’s einem zu viel mit einer Motorik, die sich zu monotonen Endlosstaffeln dehnt, mit den schneidenden Dissonanzen, den bitonalen Reibereien, den kontrapunktischen Haarspaltereien, den spitz zupickenden Flöten, den unentwegt rülpsenden Posaunenglissandi, den beherzt kernigen Arbeiterrhythmen und der windschief-scheelen Melodieführung der verderbten Faschodiva. Dass als Intermezzo der mir Recht populäre und unverwüstliche Tahiti-Trot "Tea for Two" eingeschoben wird (schon eine Idee des Uraufführungsdirigenten Alexander Gauk), wirkt fast wie ein Bumerang.
Bisher gab es, als Schnupperprobe, nur Aufnahmen der vierteiligen Orchestersuite. Ein vergleich macht deutlich: Man kann diese Musik vitaler, pointierter, zeigefreudiger spielen und vor allem: viel zügiger. Serebrier und sein (eigentlich tadellos funktionierendes) Orchester legen eine gediegene, aber wenig inspirierende Fleißarbeit vor. Sie reißen keine Bilder vor das imaginäre Auge, wo die Handlung doch von ungebärdigem Aktionsreichtum ist. Dauernd klingt es so, als sei die dokumentarische Sicherung einer Notenrarität die Hauptsache, als interessierte es den Dirigenten kaum, was alles auf der Bühne passiert. Auch das Dirigieren muss choreografische Eloquenz, Beschwörung, Suggestion nicht ausschließen.

Karl Dietrich Gräwe, 28.04.2007



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Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin. Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten […] mehr


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