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Jean Sibelius

Sinfonie Nr. 5, Karelia-Suite, Pojohlas Tochter, Der Barde

City of Birmingham Symphony Orchestra, Sakari Oramo

Erato/Warner Classics 8573 85822-2
(66 Min., 4/2001) 1 CD

Die Musik von Sibelius ist heikel: Sie tut zwar niemandem weh, doch sie sperrt sich auch der kleinsten Unsicherheit oder Fehlkalkulation seitens des Interpreten, verzeiht Oberflächlichkeit ebenso wenig wie Sentimentalität, Überlegenheitsgebaren ebenso wie Unsicherheit, und auch wer noch nicht ausreichend Erfahrung besitzt, kann ihr letztlich nicht gerecht werden. Das gilt besonders für die Sinfonik und in gesteigertem Maße für die scheinbar so eingängige Fünfte. Deren originelle und bis dahin noch nicht dagewesene Formkonzeption und Materialbehandlung ist bis heute Vorbild und Studienobjekt zeitgenössischer Komponisten und ein Prüfstein für jeden Dirigenten.
Sakari Oramo zeigt sich der Aufgabe gewachsen - bis zu einem gewissen Grad. Der sechsunddreißigjährige Oramo, als Nachfolger Simon Rattles Chef des Sinfonieorchesters von Birmingham, weiß durch Temperament, aber auch durch kluge Tempodispositionen für sich einzunehmen und bietet einen tiefen Blick in das Innere des orchestralen Geflechts, vor allem im Finale. Das Einzige, woran es ihm mangelt, ist es, das Unausweichliche der formalen Entwicklung hinreichend darzustellen, etwa der Bogen vom langsamen Beginn hin zu einem bewegten Scherzo und schließlich zu einer frenetischen Coda im ersten Satz, oder die lange Odyssee jenes berühmten, gesanglichen "Schwanen-Themas" im Finale, bis zu jenen genialen, pausendurchsetzten Schlussakkorden, die bei Oramo eben nicht, wie es sein sollte, als logische, einzig mögliche Folgerung des Vorangegangenen erklingen.
Dazu mangelt es Oramo vielleicht noch ein wenig an Erfahrung. Die haben andere vorzuweisen, die das Werk überzeugender eingespielt haben haben: Karajan (DG), Berglund (Finlandia), Colin Davis (RCA) und, allen voran, Celibidache in einem seiner besten Tondokumente (DG).
Der zwiespältige Eindruck setzt sich in den beigegebenen Tondichtungen fort: Sehr ausdrucksstark und sensibel abgetönt erklingt der düster-introvertierte, selten gespielte "Barde", viel zu oberflächlich, ungeduldig und gehetzt hingegen die "Karelia-Suite" und "Pohjolas Tochter", von der Colin Davis soeben eine in Gedankentiefe und Detailreichtum adäquate Einspielung vorgelegt hat (siehe Rezension).

Thomas Rübenacker, 04.10.2001



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