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Richard Strauss

Frühe Sinfonien (Der unbekannte Strauss, Folge 3)

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Symphonieorchester des BR, Karl Anton Rickenbacher

Koch/Schwann 3-6532-2
(73 Min., 5/1986, 6/1997) 1 CD

“Ganz hübsch”, sagte Brahms mit seiner hohen Stimme zum neunzehnjährigen Richard Strauss, nachdem er dessen f-Moll-Sinfonie in Meiningen gehört hatte. Wer bei diesem Stück an den revolutionären Tondichter denkt, der Strauss einmal werden sollte, könnte vielleicht ähnlich lau reagieren. Strauss setzt noch nicht an zur Sprengung der sinfonischen Form, statt dessen füllt er sie selbstsicher aus. Thematische Anklänge verraten die weitgesteckte Bildung des jungen Komponisten, etwa an Brahms’ Dritte Sinfonie; auch seltsam Brucknerische Takte finden sich im ersten Satz, so die anschwellende Ostinato-Figur kurz vor Eintritt der Reprise.
Karl Anton Rickenbacher feilt diese sehr persönlich verwobenen Anleihen mit Liebe heraus, und er findet in der eigenartig gespenstischen Atmosphäre des Presto-Scherzos das Wetterleuchten kommender Stimmungszauberei, ohne aber mit dem RSO Berlin der “Don-Juan”-Ekstase vorzugreifen. Strauss’ klassizistisches Maßhalten genügt auch ihm.
Wie sicher schon der siebzehnjährige Strauss fürs Orchester schreiben konnte, zeigt die d-Moll-Sinfonie. Dass hier vor allen Mendelssohn Pate stand, besonders im federleichten dritten Satz, mag überraschen, wenn man nur die Riesenorchester der folgenden Tondichtungen kennt. Beim Orchesterwettstreit bekommt das Orchester des Bayerischen Rundfunks (beide Sinfonien sind Konzertmitschnitte) die besseren Noten. Diese Koppelung beider frühen Sinfonien ist nicht nur dem Kreis der Strauss-Verehrer zu empfehlen.

Matthias Kornemann, 30.06.1998



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