Eine Handvoll wichtiger Regisseure hat das versucht: Den "Rosenkavalier" nicht als bezaubernd bittersüße, doppelbödige Rokokokomödie zu zeigen, sondern dieses Werk, das seit seiner Uraufführung 1911 weltweit in oft nur unwesentlich voneinander abweichender Ausstattung aufgeführt wird, neu zu entdecken und zu deuten. Ruth Berghaus an der Frankfurter Oper und Sebastian Baumgarten am Staatstheater Kassel entwickelten spannende, schlüssige Lesarten, Peter Konwitschny scheiterte mit seinem Versuch an der Hamburgischen Staatsoper. Robert Carsen geht mit seiner Salzburger Arbeit nicht annähernd so weit wie diese Regiekollegen. Er verlegt das Stück in die Entstehungszeit - das ist nicht neu.
Die Schwäche der Inszenierung liegt aber vor allem darin, dass sich die "Deutung" in der Behauptung von Bühnenbild und Kostümen erschöpft. Die Charaktere agieren fast ausnahmslos genau so, wie sie es in jeder konventionellen "Rosenkavalier"-Produktion auch täten. Abgesehen davon, dass das Beisl ein Bordell und der Wirt ein Transvestit ist, dass ein paar Nackte durchs Bild laufen und vorsichtig kopuliert wird. Wie sich aber die andere Zeit auf die Figuren auswirkt, bleibt unbeantwortet. Die Besetzung, vor allem Kirchschlagers Octavian, Pieczonkas Marschallin, Hawlatas jugendlicher, derb-erotischer Ochs und Grundhebers Faninal, ist tadellos.

Jochen Breiholz, 15.12.2006



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