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Ludwig van Beethoven

Klaviersonaten Nr. 11 op. 22, Nr. 12 op. 26, Nr. 19/20 op. 49

Louis Lortie

Chandos/Koch CHAN 9755
(64 Min., 11/1998, 12/1998) 1 CD

Über die B-Dur-Sonate op. 22 ist Beethovens Ausspruch überliefert, das Stück habe "sich gewaschen". Hört man Pianisten wie Friedrich Gulda dieses vernachlässigte Werk spielen, versteht man, was Beethoven meinte: Lebenssprühender und fröhlich kraftmeiernder ist er selten gewesen. Louis Lortie entschärft die Energien dieser Sonate mit einer irritierenden Manieriertheit. Warum macht er aus der Wiederholung des Hauptmotivs mit der fallenden Terz einen Echo-Effekt? Warum gähnt im zweiten Themenfeld ein rhetorisches Ritardando? Warum dämpft er im Scherzo-Mittelteil und am Ende des Rondos die robusten Zweiunddreißigstelgänge zum trippelnden Non-Legato? Allüberall scheint Lortie poetisieren zu wollen, erzeugt er konturlose, allzu pedallastige Klangwatte. Wo Beethoven muskulös mit der Maurerkelle dasteht, bringt Lortie unsinnige Stuckverzierungen an der Fassade an, die dieses Gebäude gründlich verhunzen.
Mit der parfümierteren, eher auf Klangwirkung bauenden As-Dur-Sonate op. 26 scheint er mehr anfangen zu können. Doch schon in der effekthaschenden, unlogischen Artikulation der Bässe in der Mollvariation des Einleitungssatzes beginnt der Ärger. Das Scherzo ist wie nasses Weißbrot, und würde ein Student beim legendären Heinrich Neuhaus die Punktierung im Trauermarsch so verschliffen haben, wäre er aus der Klasse geworfen worden. Nein, als Beethoven-Interpret empfiehlt sich Louis Lortie hier überhaupt nicht.

Matthias Kornemann, 31.01.2000



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