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Montreux Concerts

John McLaughlin

Warner 50-50466-9701-21
(899 Min.) 17 CDs

Noch zwei Sekunden fehlen, dann wären fünfzehn Stunden Musik von und mit John McLaughlin komplett. Auf sechzehn CDs mit vollständigen Konzertmitschnitten und einer Bonusscheibe mit Ausschnitten aus Begegnungen John McLaughlins mit Carlos Santana und Paco de Lucia dokumentiert die Box elf der fünfzehn Konzerte des Gitarristen auf dem Montreux Jazz Festival. Die live abgemischten Mitschnitte fügen sich zu einem wunderbaren Portrait des 1942 geborenen Gitarristen zusammen, denn sie spiegeln fast alle Besetzungen und Projekte aus den Jahren 1972 bis 2001 wieder. Die Tonqualität ist durchweg gut, erreicht aber - wie könnte es auch anders sein - nicht ganz das Niveau gehobener Studioproduktionen. Das leise Sirren der Netzeinstrahlungen auf die Verstärkeranlagen lässt sich auf großen Bühnen kaum vermeiden. Für dieses Manko entschädigt die entspannte, lockere Atmosphäre der Konzerte. Vor allem die Aufnahmen des Mahavishnu Orchestra vom 7. Juli 1974 und 18. Juli 1984, die Mitschnitte seiner mit indischen Musikern besetzten Band Shakti vom 6. Juli 1976 und 8. Juli 1977 sowie das modifizierte Revival mit "Remember Shakti", aufgezeichnet am 8. Juli 1999, verdeutlichen, wie tief die indische Musik John McLaughlin geprägt und beeinflusst hat. Andererseits entwickelte er sich beständig weiter, so dass die "One Truth Band" zwar am 19. Juli 1978 eine spannende Rückkehr zum Indien-Jazz-Mix nach Montreux brachte, jedoch weit von einer Kopie des Mahavishnu-Stils entfernt war. Neben der indischen Musik beeinflusste und faszinierte John McLaughlin der moderne spanische Flamenco. Am 15. Juli 1987 brannten John McLaughlin und der Spanier Paco de Lucia ein Feuerwerk der flinken Läufe, der spanischen Rhythmen und der verblüffenden Melodien ab. Von einem früheren Konzert am 8. Juli 1986 stammt einer der Bonus-Titel. Der andere, ein Gastspiel in der Band von Carlos Santana, fand am 4. Juli 1993 statt. Diese euro-amerikanische Seite verdeutlicht außerdem die von Joey DeFrancescos heißen Hammondsounds geprägten Konzerte mit "Free Spirits" vom 4. Juli 1993 und 18. Juli 1995. Hier begegnen sich die Energie des Rhythm And Blues, die Kraft des Soul Jazz und die Virtuosität von McLaughlins Gitarrenspiel. Tiefer in der Fusiontradition sind "The Heart Of Things" verwurzelt, mit denen er am 11. Juli 1998 in Montreux auftrat. Dieser John McLaughlin ist ein Grenzgänger, der sich mit den Möglichkeiten eines Genres nie zufrieden gibt. Im Pianisten Chick Corea hatte er am 15. Juli 1981 einen passend neugierigen Partner. Gemeinsam erkundeten sie das Grenzland aus spanischer, europäisch-klassischer und jazzig-amerikanischer Tradition. Ein Highlight in dieser ohnehin schon exzellenten Box. Diese Box ist ein großartiges Dokument der Live-Qualitäten John McLaughlins und der Vielfalt seiner Projekte. Dass alles in Montreux aufgezeichnet werden konnten, ist der Verdienst des Festivalgründers Claude Nobs. Er hat zwar sein Festival längst zu einem Treffpunkt der Popstars umgebaut und auf den Jazz weitgehend verzichtet, aber Stars wie John McLaughlin hielt er glücklicherweise über all die Jahre hinweg die Treue.

Werner Stiefele, 03.04.2004



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