home

N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



Responsive image
Ludwig van Beethoven

Sinfonien Nr. 1 bis 9

Karita Mattila, Violeta Urmana, Thomas Moser, Thomas Quasthoff, Schwedischer Rundfunkchor, Eric-Ericson-Kammerchor, Berliner Philharmoniker, Claudio Abbado

Deutsche Grammophon 0 28946 90002 4
(12/1999, 3/2000 - 5/2000) 5 CDs

Der erste Blick: eine jener unseligen Wiederholungsproduktionen, die meinen, sich durch technisch neue Verfahren (DVD-Produktion) oder einfach durch das Alter bereits vorliegender Aufnahmen desselben Interpreten (Abbados Beethoven aus Wien wurde vor rund fünfzehn Jahren aufgenommen) legitimieren zu können.
Der erste Höreindruck: Im Unterschied zu seinem Vorgänger Karajan, dessen vier Beethoven-Einspielungen zunehmend sinfonisch-breiige Einheitskost hervorbrachten, lässt Abbados neue Berliner Einspielung gehörig aufhorchen. Schon der neuen Partitur-Vorlagen der Bärenreiter-Ausgabe wegen, die der britische Musikwissenschaftler Jonathan Del Mar von allen falschen, weil nach-beethovenschen Romantizismen befreit hat.
Auch Abbado schickt seinen über weite Strecken merklich verkleinerten Orchesterapparat auf eine Partiturreise voller Kanten und Ecken, voll harter Sforzati-Schläge, kurzer Bindebögen und flotter Tempi. Und das spürbar verjüngte Berliner Orchester folgt ihm wunderbar - weit liegen die Zeiten der streichersämigen Altherrenriege Karajans zurück. Alles pulsiert, atmet, auch die letzte Neben- und Mittelstimme bleibt durchhörbar; man sitzt sozusagen auf vorderster Stuhlkante, bereit, augenblicklich zu explodieren oder sich federnd die Motiv-Bälle zuzuspielen.
So gerieten vor allem die "Eroica", die "Pastorale" und die Siebte (diese zumindest im dionysischen Schluss-Rausch), zu Beethoven-Merksteinen, die beiden Erstlinge sowie die Achte zu angenehm widerborstig musizierten Experimenten. Aber die Fünfte? In ihrer puren (traditionellen) Klanggewalt eine Enttäuschung. Und die Neunte? Hier zeigt sich symptomatisch: Abbados Mut zur Beethoven-Revision reicht nicht an die Zürcher Zinman-Produktion, auch nicht an Gardiner heran, trotz des unübertroffenen Orchesters.
Abbado macht im Unterschied zu diesen Einspielungen zu viele Kompromisse. Zwar propagiert er im Beiheft die Wahrhaftigkeit von Beethovens Metronom-Angaben, aber er folgt ihr über weite Strecken nicht. Die Probe aufs Exempel: der Mittelteil des zweiten Satzes der Neunten - bei Zinman ein bislang und weiterhin unerhörtes Presto-Wagnis, bei Abbado ein fauler Kompromiss; ebenso das an sich bereits grenzwertige Schluss-Prestissimo. Mit viel Emphase meistern jedoch die Gesangs-Solisten ihre Beethoven-Zumutungen, und die beiden schwedischen Chöre beweisen wieder einmal, dass sie zu den besten der Welt zählen. Insgesamt also kann man Abbados Beethoven durchaus unter den Gabentisch legen; nur Zinman- und Gardiner-Fans werden ein wenig enttäuscht sein.

Christoph Braun, 16.11.2000



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Zum Warmwerden: Von Tenören, die gerne auf der Rasierklinge zwischen Kunst und Kommerz reiten, ist es ja bekannt. Das aber auch Instrumentalisten „ihr“ Weihnachtsalbum aufnehmen, hat Seltenheitswert. Zumal, wenn es auch noch so glückt wie im Fall des Harfenisten Xavier de Maistre. Der verbindet gleich mehrere Programmideen. So ist dieses Album nämlich nicht nur Begleitmusik fürs Weihnachtszimmer, sondern auch eine Verneigung vor einem großen Kollegen unter den Konzertharfenisten, […] mehr


Abo

Top