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St. Louis Blues

Aki Takase

Enja/Helikon 9130-2
(52 Min., 7/2001) 1 CD

Als die Pianistin Aki Takase vor knapp zwanzig Jahren nach Europa kam, wurde sie als weibliches Pendant zu ihrem damals noch heftig Cecil-Taylor-orientiert berserkernden Landsmann Yosuke Yamashita wahrgenommen. Ihre Anspielungen auf die Jazztradition galten als reizvoll exotische Formen des musikalischen Flirtens in der eher lustfeindlichen Welt des Free Jazz.
Inzwischen ist Aki Takase längst als eigenständige Stilistin des New-Jazz-Klaviers anerkannt. Seit einiger Zeit hat sie in dem jungen Bassklarinettisten Rudi Mahall einen ebenbürtigen Partner, der einen ähnlichen Umgang mit der alten und neuen Tradition pflegt. Mit Nils Wogram ist auf der Posaune ein weiterer wesensverwandter Instrumentalist herangereift.
Mit beiden interpretiert Aki Takase im Duo aufregend die Musik des Blues-Songwriter-Klassikers W.C. Handy und Originals. Weitere Duos gibt es mit den erstaunlich zurückgenommen agierenden Free-Jazzern Fred Frith an der Gitarre und Paul Lovens am Schlagzeug. Auf der Hälfte der zwölf Tracks sind alle Beiteiligten im Quintett zu hören, dabei tauchen aus blubbernden Sounds immer wieder launige free-dixiehafte Seifenblasen auf, die mit mächtiger Lust zerplatzen. Eddie Condon's berühmte Frage "Where's the Melody?" findet stets eine Antwort, auch wenn sie manchmal in ihrer schrillen Parodie-Attitüde auch etwas platt ausfällt.

Thomas Fitterling, 20.12.2001



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