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Ludwig van Beethoven

Sinfonie Nr. 3, Coriolan-Ouvertüre

Royal Philharmonic Orchestra, Thomas Beecham

Sony Classical 5 099708 988722
(57 Min., 1951 - 1953) 1 CD

Thomas Beecham, den ironischen englischen Grandseigneur, bringt man gemeinhin nicht unbedingt mit Beethoven in Verbindung - nicht zuletzt deswegen, weil Beecham, der für eine gute Pointe wahrscheinlich seine Großmutter verkauft hätte, sich verschiedentlich recht despektierlich über Beethoven geäußert hat. Doch das war einfach Teil seiner Natur; wie sehr er Beethoven schätzte und wie tief er ihn verstand, zeigt diese Aufnahme der "Eroica".
Es ist eine ungemein souveräne, ganz unaufgeregte Deutung ohne mitgelieferte Philosophie und Ideologie, in erstaunlich vollem und transparentem Klangbild. So fehlen in jener konfliktreichen Passage der Durchführung des Kopfsatzes, die in für die damalige Zeit unerhörten schreienden Dissonanzen gipfelt, die zusammengebissenen Zähne - was manch einer bedauern mag. Doch bei Beecham ist alles ganz logisch aus dem Motiv heraus entwickelt, und dies mit einer Detailtreue und rhythmischer Akkuratesse, die man heute meist vergeblich sucht. Den Höhepunkt der Einspielung markiert die "Marcia funebre": unglaublich liebevoll gestaltet, dennoch konturenscharf und mit einer stillen inneren Größe, die konträr zum Bild des launischen Spaßvogels Beecham steht.
In seiner sachlichen, aller Titanenschwere abholden Interpretationsweise könnte man Beecham beinahe als Vorläufer der Originalklang-Jünger bezeichnen; deren Beethoven-Rezeption mutet ähnlich staubfrei an. Doch keiner von ihnen erreicht auch nur annähernd Beechams Wärme des Klangs und die Natürlichkeit seiner Phrasierung. Die Königlichen Philharmoniker dürften selten besser gespielt haben; es waren goldene Zeiten, in denen das Orchester über Solisten wie den legendären Hornisten Dennis Brain verfügte.

Thomas Schulz, 19.09.2002



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