Responsive image

On Broadway Vol. 4 Or The Paradox Of Continuity

Paul Motian-Trio

Winter & Winter/Edel Contraire WIN 910 125-2
(66 Min., 11/2005) 1 CD

Erfrischend ungewöhnliche Versionen von Jazzklassikern spielt der 75-jährige Schlagzeuger Paul Motian mit seinem "Trio 2000 + One". Die Stammbesetzung bilden der Bassist Larry Grenadier und der Saxofonist Chris Potter. Plus One sind entweder die Sängerin Rebecca Martin oder der Pianist Masabumi Kikuchi. Für Volume 4, im Untertitel "The Paradox of Continuity" genannt, seiner Reihe "On Broadway" bearbeitet sein Trio wie schon auf den Vorgängeralben bekannte Stücke aus Musicals und Shows der New Yorker Unterhaltungsmeile. Diesmal sind es unter anderem "Tea for Two", das Rebecca Martin so lakonisch und abgeklärt vorträgt, dass die "Lover’s Oasis" nur noch als Ort abgelegter Illusionen empfunden werden kann, wo es weder einen tea for two noch two for tea gibt. Ähnlich distanziert singt sie mit brüchigem Alt "Everything Happens to Me" oder die Armutshymne aus der Zeit der Weltwirtschaftskrise in den 1920er Jahren: "Brother Can You Spare a Dime". Damit vollzieht sie mit ihrer Stimme nach, was die übrigen drei mit den Instrumenten machen: Sie rauben den Stücken ihren oberflächlichen Glanz und legen deren fragilen Kern frei. So hat beispielsweise die Instrumentalversion von "I Loves You Porgy" mit Masabumi Kikuchi als viertem Mann nicht mehr das Geringste mit den Liebesbeteuerungen à la Gershwin zu tun. In allen 13 Titeln dekonstruiert das Ensemble die klassischen Nummern und baut aus den Grundmaterialien filigrane neue Kunstwerke. Dass sich das Ensemble derart konsequent über die eingefahrenen - und entsprechend langweiligen - Konventionen in der Standards-Interpretation hinwegsetzt, macht die Disc vom ersten bis zum letzten Moment interessant.

Werner Stiefele, 08.09.2006



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Seine fröhlichen Werktitel wie „Rheinische Sinfonie“ oder „Frühlingssinfonie“ lassen einen bei Robert Schumann manchmal denken, er sei eine unbeschwerte Frohnatur gewesen. Dabei hat wohl kaum ein anderer Komponist so mit sich und dem Leben gehadert und zugleich sich selbst immer wieder so grandios aus den Tiefen der Depression in die Höhenflüge der Musik gerettet wie Schumann. Seine zweite Sinfonie entstand in einer Zeit, in der sich der Komponist von einer schweren Lebens- und […] mehr »


Top