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Havergal Brian

Sinfonien Nr. 11 und 15, Konzertouvertüren "For Valour" und "Doctor Merryheart"

Ireland National Symphony Orchestra, Tony Rowe, Adrian Leaper

Marco Polo/Naxos 8.223588
(77 Min., 9/1993, 5/1997) 1 CD

Er ist in mehrfacher Hinsicht ein Fall fürs Guiness-Buch der Rekorde: Der englische Komponist Havergal Brian schrieb mit seiner “Gotischen” die sowohl längste als auch am größen besetzte veröffentlichte Sinfonie aller Zeiten. Außerdem legte er nach seinem achtzigsten Lebensjahr – er hatte bis dahin “erst” elf Sinfonien komponiert – noch einmal richtig los und schrieb in den folgenden Jahren einen Gattungsbeitrag nach dem anderen, bis er zwölf Jahre später mit Nummer 32 aufhörte. Gestorben ist er 1972 mit sechsundneunzig.
Die Versuchung ist groß, Brian als schlagenden Beweis für die Exzentrik der Briten abzutun, und skurril genug klingt seine Musik auch: etwa in der Fünfzehnten, wenn die Musik nach elgarhaftem pompösen Beginn sich immer weiter in dünne Bergluft zurückzieht, bis aus der Sinfonie eine Kammermusik geworden ist, in der nur wenige Instrumente verloren, wie hypnotisiert, umherwandeln. Letztlich zeigt sich Brian jedoch vor allem als absolut eigenständiger Individualist, der verschiedene Stile wohl aufnahm, jedoch zu einer ebenso kraftvollen wie rätselhaften Musik verschmolz, die nicht nur in England völlig einzigartig dasteht: kompromisslos jenseits aller Richtungen. Welche Schätze im Werk dieses faszinierenden Einzelgängers wohl noch verborgen liegen?

Thomas Schulz, 16.03.2000



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