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Philipp Jakob Riotte

Klarinettenkonzert op. 28, Flöten- konzert op. 4, Sinfonie op. 25

Dieter Klöcker, Kornelia Brandkamp, Stuttgarter Kammerorchester, Gernot Schmalfuß

Novalis / inakustik 7619915016827
(75 Min., 8/2001) 1 CD

Der Name Dieter Klöcker ist längst zum Markenzeichen geworden: nicht nur für makellose Klarinettenkunst, sondern auch für Wiederentdeckungen nahezu vergessener Komponisten vorwiegend des “Achsenzeitalters", die zwischen ausgehendem Absolutismus und neu erstehendem Bürgertum, musikalisch zwischen Wiener Klassik und beginnender Romantik lebten. Mit dem 1776 im saarländischen St.Wendel geborenen, in Trier und Frankfurt lernenden und seit 1808 für nahezu fünf Jahrzehnte am Theater an der Wien tätigen Philipp Jakob Riotte hat Klöcker nun jemanden ausgegraben, dessen Bekanntheitsgrad zu Lebzeiten in der österreichischen Metropole immens war und allenfalls noch von Mozart und Beethoven überragt wurde. Schon in seinen beiden letzten Jahrzehnten vor seinem Tod 1856 vergaß man ihn jedoch, da sein Hauptmetier, zeittypische Unterhaltungsmusik für das Wiener Theaterpublikum zu schreiben, die modischen Präferenzen gewechselt hatte.
Was Riotte allerdings an Instrumental-Musik hinterließ, insbesondere auf sinfonischem und konzertantem Terrain, das kann sich, wie die vorliegenden Ersteinspielungen zeigen, (nach wie vor) hören lassen. Vor allem das erste Klarinettenkonzert von 1804 zeigt sich höchst charmant in seiner Themengestaltung, und die Virtuosität, die es dem Instrument respektive Solisten abfordert, stellt das Werk nahezu ebenbürtig in die Gattungs-Reihe zwischen Mozart, dem von Klöcker ebenfalls ausgegrabenen Cartellieri und Weber. Zudem verweisen einige elegische Moll-Tönungen in das anbrechende Reich romantischer Empfindungen. Die Konvention behält gleichwohl hier wie auch in dem von Kornelia Brandkamp souverän gestalteten Flötenkonzert die Oberhand.
Die erste Sinfonie wiederum, die nachweislich in Leipzig 1812 mit großem Erfolg aufgeführt wurde, ist eine kurzweilige Hommage an die verehrten Meister Haydn, Mozart und Beethoven (letzterem erwies Riotte als Fackelträger noch am Grab die Reverenz). Besonders das widerborstige Presto-Scherzo dürfte Beethoven gefallen haben, auch wenn er sich en gros über das Schaffen seines Zeitgenossen nur abfällig äußerte. Dennoch - und auf die Gefahr hin, angesichts derselben Geburtsstadt, die ich mit Riotte teile, als parteiisch zu gelten: die Platte ist eine willkommene Repertoirebereicherung, zumal das Stuttgarter Kammerorchester unter Schmalfuß’ sorgfältigem Dirigat mit merklicher Entdeckerfreude zu Werke gegangen ist.

Christoph Braun, 08.02.2003



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