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Luigi Rossi, Giacomo Carissimi

Oratorien "Giuseppe", "Historia di Ezechia"

CapellAntiqua, Bernhard Pfammatter

Divox Antiqua CDX-75239-2
(60 Min., 1998) 1 CD

Sowas kommt von sowas - würde es in "Tadellöser & Wolff" heißen. Das Label Divox Antiqua kennt seiner Pappe-Verpackung wegen keine Beihefte, hat mithin auch keinen Platz für Libretti. Bei einem Werk Mozarts oder auch Monteverdis, wo man wahrscheinlich bereits ein anderes Exemplar mit Libretto hat, wäre das kein großes Manko - wohl aber aber bei Luigi Rossis bis dato unbekanntem "Giuseppe". Denn das Werk lebt, wie alle italienischen Vokalkompositionen aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, von der engen Korrespondenz von Text und Musik, von poetischer Vorgabe und ihrer musikalischen, mitunter lautmalerischen Ausdeutung. Um diese zu genießen, hilft denn auch kaum die kursorische Inhaltsangabe des in zwei Kantaten gegliederten dreiviertelstündigen Werkes weiter, geschweige denn der frech-verlegene Hinweis, man könne sich das italienische Libretto ja übers Internet bestellen. (Wer die Geschichte begreifen will, muss dann schon die Genesis-Kapitel vom gottgefälligen Joseph, dem "Ernährer" Ägyptens, Lieblingssohn Jakobs, und seinen ehemals bösartig-neidischen, nun vor Hunger reumütigen Brüdern nachschlagen).
So ist denn auch die Pioniertat Bernhard Pfammatters, der das Werk vor drei Jahren aus verstaubten vatikanischen Archiven ans Tageslicht hob und ein Jahr später in Bern zur Wiederaufführung brachte, nur halb zu würdigen. Immerhin: Der Chorleiter der Berner Musikhochschule präsentiert uns Rossi als kurzweiligen, in der Zeichnung von Charakteren und Gemütslagen treffsicheren Barockkomponisten, der vor allem in der polyfonen Pracht der Schluss-Szenerien durchaus an den Übervater-Kollegen Monteverdi heranreicht. Pfammaters Protagonisten der Capell-Antiqua agieren schlank und wendig in den Vokalpartien, farbenfroh im Instrumentarium. Herauszuheben ist dabei - leider - weniger Reni Perlers etwas flach timbrierte Titelpartie als Martin Barrera-Oros hochkultivierter Erzähler-Altus und die mit Nadia Ragni und Elisabetta Tiso ideal besetzten Sopranpartien. In der Zugabe, Carissimis viertelstündigem lateinischem Ezechiel-Oratorium, lassen sich darüber hinaus noch Markus Schikoras tenorale Koloratur-Künste goutieren.

Christoph Braun, 11.01.2001



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