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Ludwig van Beethoven

Mit Beethovens Ohr gehört - Ein musikalisches Hörstück über Beethovens Ertaubung von Martella Gutiérrez-Denhoff

Beethoven-Haus Bonn / Deutschlandfunk

ISBN 3-937458-04-2
(44 Min., 10/2002, 9/2003) 1 CD

Die Wachtel ist weg! Dabei war sie eben noch deutlich zu hören - in der berühmten Vogelstelle aus Beethovens Pastorale. Zugegeben: die fortschreitende Ertaubung des Meisters so hautnah mitzuerleben wie in diesem Hörstück, ist keine schöne Erfahrung. Aber aufschlussreich: Denn liest man die bloßen Dokumente, in denen Beethoven und seine Zeitgenossen die Symptome der Krankheit beschrieben, bleiben eine Menge Fragen offen: Wie konnte es sein, dass Beethoven zu einer Zeit, als er schon längst keine zusammenhängenden Gespräche mehr verfolgen konnte, dennoch am Klavier improvisierte? Was mag er wahrgenommen haben, als er bei der Uraufführung seiner 9. Sinfonie als Dirigent vor dem Orchester stand? Auf viele Fragen gibt das Feature fundierte und sinnlich nachvollziehbare Antworten, in dem es die verschiedenen Berichte, Briefe und Notizen in den Konversationsheften akustisch umsetzt. Der schrittweise Hörverlust, der zunächst vor allem die hohen Frequenzen betraf und mit quälenden Tinnitusgeräuschen einher ging, wird beispielsweise mit Hilfe von sechs verschiedenen Filterstufen nachgestellt und anschaulich mit kurzen medizinischen Erläuterungen kommentiert. Wir erleben nun, wie sich der verzweifelte Beethoven die Ohren mit Mandelöl einreibt, wir erhalten einen Eindruck von der Wirkung jener bizarren Hörrohre, mit denen er sich vorübergehend eine geringe Linderung seines Leidens verschaffte und wir lernen sein Verhalten besser zu deuten. So war es nicht Feigheit, sondern wohl Überempfindlichkeit für laute Klänge, die den Komponisten bei der Beschießung Wiens in den Keller trieb, um dort den Kopf unter dicken Kissen zu verstecken. Nur der Klang von Beethovens Flügel, der unter den Händen des schwerhörigen Meisters klirrte und überdies verstimmt gewesen sein soll, lässt sich auch durch ausgefeilte Filtertechniken nicht völlig rekonstruieren. Aber vielleicht muss das ja auch nicht sein.

Carsten Niemann, 19.03.2005



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