Responsive image
Igor Strawinski, Rodion Schtschedrin

Der Feuervogel, Klavierkonzert Nr. 5

Denis Matsuev, Symphonieorchester des BR, Mariss Jansons

Sony Classical/Sony BMG 82876 70326200 1
(53 Min., 12/2004) 1 CD

Mit zwei wahren Konzertkrachern sorgte Mariss Jansons im kalten Dezember für ungemeine Hitzewerte in der Münchner Philharmonie. Zunächst ließ Jansons Strawinskis "Feuervogel" aus der siebensätzigen Ballett-Suite zu einer farbenprächtigen und rhythmisch brillanten Flugschau aufsteigen. Danach gesellte sich der russische Virtuose Denis Matsuev zu den Bayerischen Musikanten, um mit ihnen das sich bis in die Finalsatz steigernde Klavierkonzert Nr. 5 von Rodion Schtschedrin anzugehen. Und einmal mehr zeigt sich, wie kulinarisch, präzise, grell, fein schattiert und unterhaltsam auf höchstem Niveau ein Abo-Konzert in München sein kann. Der Live-Mitschnitt hat schließlich nichts von dem berühmten, überspringenden Funken eingebüßt - weshalb man spätestens bei Strawinskis "Danse infernale du roi Kastchei" und beim dritten Satz des Schtschedrin-Konzerts alle labilen Gegenstände von den Lautsprecher-Boxen gerettet haben sollte.
Mariss Jansons ist aber selbstverständlich bei all seiner offensiven Gangart kein Dirigent für nur einen Moment oder einen Effekt. In der "Berceuse" beispielsweise sprühen die Farben überreich und hymnisch nach oben, als wäre Strawinski nicht bei Rimskij-Korsakow, sondern bei Claude Debussy in die Lehre gegangen. Und das Finale ist in seiner stürmerischen Perkussivität und apotheotischen Vehemenz einfach fantastisch. Das fünfte Klavierkonzert des nicht gerade bequemen Bürgers der Ex-Sowjetunion Schtschedrin ist ein gelungener Blick zurück nach vorne. Und gleichzeitig wurde damit ein Klassiker der Moderne fürs 21. Jahrhundert gerettet. Schostakowitsch, Ravel und Scriabin lauern hier und da auf - in diesem streitbar expressionistischen und schillernden Werk, bei dem Denis Matsuev schon alles an spielerischer Vollkommenheit aufbieten muss. Er schaffte es.

Guido Fischer, 24.09.2005



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Gab es einen größeren Goethe-Verehrer unter den Komponisten als Ludwig van Beethoven? Den Poeten lernte Beethoven 1812 kennen, da hatte er sich von dessen Werken schon längst zu eigenen Kompositionen inspirieren lassen, vor allem zu einer ausgedehnten Bühnenmusik zum Trauerspiel „Egmont“. Eine geniale Mischung aus Poesie bzw. poetischer Andeutung und musikalischer Ausgestaltung, aus Worten und Klang. Diese Musik habe er „bloß aus Liebe zum Dichter geschrieben“, meinte Beethoven in […] mehr »


Top